Archiv für April 2007

IVW-Zahlen I/2007 – Es geht nur bergab und niemanden überrascht es

…OK nicht ganz.

Stand der Dinge:
Zwei der IVW gemeldeten Spielehefte können ein Plus verzeichnen. Dabei handelt es sich zum einen um die GEE. Die kann zwar um fast 30% zulegen, die verkaufte Auflage besteht aber fast immer noch zur hälfte aus den sogenannten „sonstigen Verkäufen“, trotz alledem wird die Marke von 20.000 verkauften Heften nur gerade so überschritten.

Zum anderen um die N-Zone mit einem Plus von knapp 20%. Sieht auf den ersten Blick zwar nicht schlecht aus, allerdings markierte man vor einem Jahr ein Allzeittief – der Push durch die Wii-Konsole hält sich also auch in Grenzen.

Schaut man in den PC-Spiele-Sektor, so geben die hier vertretenen Heften gut 10-20% ihrer Auflagen ab, die Videospielhefte müssen 20-30% abgeben. Einen genauen Überblick über die Lage kann man sich dennoch nur schlecht verschaffen. So sind OPM2 und play kurz vor ihrem Ende aus der IVW-ausgetreten, die PC PowerPlay ist nach massivsten Verlusten in den letzten Monaten scheinbar aus der IVW geflüchtet (Quelle: ivw.eu, Stand 28.04.07 01.00h) und das ganze Segment der Xbox-360-Hefte ist gar nicht erst gemeldet gewesen. Wenn das OXM mit rund 18.000 verkauften Heften laut Verlagsangabe die Marktführerschaft für sich beansprucht, lässt das natürlich auch tief blicken.

Besondere Negativschlagzeilen machte in den letzten Monaten die Screenfun, die teilweise jeden zweiten Käufer verlor. Konsequenzen soll es inzwischen auch gegeben haben, Gerüchten zufolge wird das Heft nun in Hamburg, deutlich kostengünstiger, von einer neuen Redaktion betreut werden.

Fragt man nach den Gründen für die massiven Verluste, kann man aus einem Füllhorn an Begründungen wählen. Meistgenannt sind allerdings die folgenden zwei: Die allgemeine Konsumzurückhaltung und das Internet.

Klingt erst mal auch plausibel. Wenn man weniger Geld zur Verfügung hat, spart man als erstes an Zeitschriften ein als auf andere Dinge zu verzichten. Beim Thema Geldeinsparen landet man auch gleich beim Internet. DSL sei dank ist man auf Videos und Demos auf Heftdatenträgern nicht mehr angewiesen, News, Vorschauen und Testberichte gibt es hier umsonst, aktueller – und umfangreicher. Genau an dieser Stelle drängt sich unvermeidlich die Frage auf: „Ist das Problem nicht vielleicht doch hausgemacht?“.

PC-Sektor:
Sehen wir uns zuerst die PC-Spielehefte an. Auf dem deutschen Markt gibt es zurzeit GameStar, PC Action, PC Games und PC PowerPlay.

PC Action zielt mehr auf Action- und Multiplayerspieler, visiert mit ihrer Schreibe eher den männlichen pubertierenden Leser an. Die übrigen drei fischen mehr oder weniger in den gleichen Gewässern.

Statt sich eine Nische zu suchen, versucht man alle mitzunehmen. Profis, Neueinsteiger, die von den Stammlesern gefürchteten Casualgamer, alte und junge Zocker. Frei nach dem Motto „viel hilft viel“ — wir sprechen irgendwie jede Zielgruppe an und jede Zielgruppe kauft unser Heft.

Das man mit diesem Konzept bestenfalls einen Blumentopf gewinnen kann, dürfte die PC PowerPlay langsam festgestellt haben. Das Heft befindet sich in seinem dritten Lebensjahr, hat mit der Mai-Ausgabe 2007 die dritte Neuausrichtung bzw. sein 4. Layout bekommen.

Da nützen Dumpingpreis und Vollversion nichts, genauso wenig wie 2 oder mehr der Teile und immer noch das günstigste Heft im Segment zu sein. Nach dem ewigen Zielgruppenhickhack („c’t light“, „PC Games Kopie“, „DAUs an die Macht“) ist man zwischen bei einer Lightvariante des ersten Konzepts angekommen, nur eben ohne Vollversion. Bei einer Lebensdauer von 7-12 Ausgaben je Ausrichtung wird selbst der treuste Stammleser irgendwann entnervt das Handtuch werfen. Alle Änderungen werden im übrigen nur auf Wunsch der Leser durchgeführt, die sich prompt durch das Kaufen von 30.000 Heften weniger dafür bedanken.

Die GameStar ist zwar nicht fehlerfrei, hat im Punkt Beständigkeit aber eine weiße Weste aufzuweisen. Leider sah man sich auch hier an den von Computec ausgelösten Gruppenzwang gebunden, lässt die Juni-Ausgabe im April erscheinen und rüstet das Heft mit 1-3 Vollversionen aus. Um die Verkaufszahlen irgendwie zu halten entschloss man sich dazu noch eine zweite DVD beizupacken.

Bei Computec geht man neben Nummernchaos (Februar-Ausgabe erscheint vor Weihnachten) und Vollversion noch einen weiteren Weg. Die PC Games gibt es in Sage und Schreibe sieben (!) Varianten: Magazin, 2CDs, DVD, DVD ab 18, Plus (Abonnement, nur noch für Bestandskunden), Extended und Premium.

So gibt es monatlich für einen Euro mehr 32 Extraseiten zu irgendeinem Schwerpunktthema und erreicht damit in etwa den Heftumfang von vor einigen Jahren. Wer bereit ist das doppeltes des normalen Heftpreises hinzublättern kann sich alle drei Monate auch eine Wundertüte mit mehr oder weniger sinnvollen Dingen wie Schlüsselanhängern, Postern und Bügelbildern kaufen. Begründung für den ganzen Kram, man möchte seinen Lesern etwas zusätzliches bieten.

Konsoleros:
Kommen wir nun zu den Konsolenheften. Diese haben in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Abwärtstrend hingelegt und statt zu versuchen ihm irgendwie entgegen zu wirken haben sie sich in beispielloser Art und Weise immer weiter reingeritten. Im November vergangenen Jahres stellte ich die Frage, ob die play THE PLAYSTATION im Kampf „Print gegen Internet“ die Zukunft verschlafen hat. Diesen Punkt greife ich jetzt noch mal auf und zwar nicht mehr auf ein einzelnes Heft bezogen. Wer sich ein beliebiges „aktuelles“ Konsolenheft am Kiosk greift und ein bisschen drin blättert wird die Frage meist wohl mit „ja“ beantworten können.

Etwas gedrucktes kann nie die Aktualität des Internets erreichen. Da nützt es auch nichts, wenn das Juni-Heft bereits im Dezember am Kiosk läge. Die Gründe, warum ich ein Heft gegenüber einer Webseite vorziehe sind folgende:

Das Vorurteil mag längst überholt sein, dennoch halte ich Heftredaktionen immer noch für kompetenter als irgendwelche Onlinemagazine. Zu dem hab ich gerne alle Infos schön übersichtlich in einem Heft als sie mir umständlich, wohlmöglich von flashverseuchten Webseiten, zusammensuchen zu müssen. Ich hab auch lieber was in der Hand, was ich überall in Ruhe lesen kann als vor dem Bildschirm kleben zu müssen.

In der Falle:
Leider befinden sich gerade die Konsolenheften in einem absoluten Teufelskreis. Der begann mit einem Auflageneinbruch, der irgendwann einfach kommen musste – es kann nicht immer nur nach oben gehen. Problem ist/war, dass man diesen einfach nicht hinnehmen wollte. Also versuchte man auf Biegen und Brechen das Heft zu überarbeiten und es für mehr Leute zugänglich zu machen. Stammleser sind mit solchen Änderungen eher selten einverstanden, weil das Heft ein gewisses Anspruchsniveau halten soll und sich das als äußerst schwierig gestaltet, wenn man die breite Masse ansprechen will. Es kommen neues Layout und leicht angepasste Zielgruppe, man verliert mehr Käufer als man hinzugewinnt. Dieses Spielchen kann sich nun einige Male wiederholen, bis so viele Käufer weg sind, dass es an die Substanz des Heftes geht.

Die Redaktionen werden kleiner, der Heftumfang schrumpft, denn irgendwie muss man die gesunkenen Einnahmen auffangen, am einfachsten durch Einsparungen. Auf 100 statt 148 Seiten kann man deutlich weniger berichten. Überall muss die Schere angesetzt werden. Da kommt es schon mal dazu, dass das Herzstück eines normalen Konsolenheftes einen Kollaps erleidet (Anm.: GEE ist kein normales Konsolenheft ;)). Da werden auch mal 4 gute Titel auf einer einzigen Seite mit je ca. 80 Wörtern abgespeist. Die W-Fragen „Worum geht’s?“, „Wie spielt’s sich?“, „Was ist gut, was ist schlecht?“ lassen sich auf so wenig Platz nicht mal ansatzweise beantworten. Nur auf eine nicht aussagekräftige Prozentzahl am Ende zu gucken kann es wirklich nicht sein.

Was passiert? Man fühlt sich schlecht informiert, muss sich seine Infos wo anders besorgen — im Internet, kostenlos und wesentlich umfangreicher. So schließt sich der Kreis, das Heft wird von noch weniger Menschen gekauft. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, in dem ein Magazin dann vor dem Aus steht.

Die Konsequenz:
Die Verlage müssen den ersten Schritt machen um den Teufelskreis zu durchbrechen, der Leser wird es nicht tun und wäre auch schön dumm, wenn er es täte. Wenn die Auflage trotz aller Einsparaktionen hochginge, gäbe es auch keinen Grund wieder irgendwas hoch zustufen, weil’s doch gut läuft.

Um den Kreis von Konsolen und PC-Spieleheften wieder zu schließen, das Problem der Hefte ist das gleiche: Massiver Auflagenverlust.

Das einzige Mittel, welches einzufallen scheint ist das Heft mit zwei DVDs, Spielevollversionen, Schlüsselbändern und anderen Gadgets auszustatten. Auf die Frage, warum man den ganzen Rotz nicht weglässt lautet die Antwort schlicht: Man würde noch mehr Käufer verlieren.

Wenn die Leute eure Hefte nur noch wegen der beigelegten Extras kaufen und nicht mehr wegen des Inhaltes, solltet ihr vielleicht folgende Frage stellen, liebe Spielepresse:

„Haben wir vielleicht etwas falsch gemacht, wenn die Leute unser Heft nur noch wegen seiner Beilagen und nicht mehr wegen des Inhaltes kaufen?“

Und nu?
Das ist wohl die spannendste aller Fragen und ein Patentrezept habe ich auch nicht, dennoch möchte ich ein paar Denkanstöße mit auf den Weg geben:
– Tauscht euch intensiv mit euren treusten Lesern aus, ihr Feedback ist wesentlich wertvoller als das von irgendwelchen Telefonumfragen/Zeugnissen. „Beurteilen Sie das Layout: Sehr gut, gut, in Ordnung, Änderungsbedarf. Nächste Frage […]“

– Wenn ihr eine tolle Idee habt, testet sie „live“, ob sie am Ende beim Leser ankommt, kann kein Test an Fokusgruppen beweisen. Klappt etwas nicht, seid so ehrlich und gebt es zu statt bis zum nächsten großen Redesign an missglückten Ideen festzuhalten.

– Schaut euch die Hefte aus euren Hochzeiten an, welche dort vorhandenen Sachen sind im laufe der Jahre verloren gegangen?

– Sucht euch etwas, das euch auszeichnet. Nur ein Wertungssystem ist ein bisschen mager um sich von Mitbewerbern abzuheben

– Nur mit Stammkäufern kann man langfristig planen, denn sie halten zu einem – auch im Sommerloch.

Die einzig logische Konsequenz – fun generation

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Ein Text etwas abseits meiner üblichen Heftkritiken, etwas persönlicher und wohl ein ewiger Wunschtraum. Wurde vor einem Jahr als Leserbrief verfasst und erscheint hier in überarbeiteter Neuauflage ;)
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Im Mai 1999 bekam ich meine PlayStation und begann Videospielehefte zu lesen, genauer gesagt ein bestimmtes. Just in dem Monat brachte CyPress zum ersten Mal das O.P.M. heraus. Damals war ich 10 Jahre alt, blätterte mich durch alle sich am Kiosk befindlichen PlayStation-Hefte und entschied mich für das neue offizielle PlayStation-Magazin. Die zweite Demo-CD zur Heft(neu)einführung war für mich ausschlaggebend gewesen. Auch heute würde ich noch zu dieser Zeitschrift greifen, wenn auch aus anderen Gründen.

Ich hab den letzten Jahren viel gelesen, doch ich habe es noch immer nicht geschafft „meine“ O.P.M. 6/99 komplett von der ersten bis zur letzten Seite durchzulesen. Wer heute sich ein PlayStation-Heft am Kiosk kauft, hat es nach spätestens drei Stunden ausgelesen und wird es auch nicht wieder in die Hand nehmen, zu uninteressant geschrieben, zu schwach vom Inhalt.

Wie kam es dazu? Die „geliebte“ Marktforschung führte z.B. bei OPM2 zu einer riesengroßen Schrift, jeder Menge bunter Bildchen und extrem kurzen Texten. Dass das neue Heftkonzept nicht aufging, wissen wir. Zwar wurden am Ende noch vergleichsweise gute 50.000 Hefte abgesetzt, allerdings für ein offizielles PS2-Magazin viel zu wenig, angesichts der horrenden Lizenzkosten und der wenig prickelnden Anzeigensituation.

Ende 2002 fing ich an Videospielhefte zu sammeln und inzwischen hab ich eine ganz ordentliche Sammlung, auch wenn noch einige für mich interessante Hefte fehlen (Wer SegaPro, SuperPro, PC Power und Co. im guten und vollständigen Zustand hat, darf sich gerne bei mir melden ;)).

Ein Heft hat es mir dabei besonders angetan, die „fun generation“. Immer wieder mal nehme ich ein paar Ausgaben in die Hand und blättere drin. Im Nachhinein könnte ich viele Tränen darüber vergießen, dass ich dieses Heft nicht ab 11/99 gekauft habe. Überhaupt, ich habe es nie gekauft. Mein Blick war immer nur auf PlayStation gerichtet.

Im laufe der Jahre haben sich die Hefte stark verändert. Von den einzigartigen Freakheften mit einer verkauften Auflage von über 100.000 (laut IVW für play & O.P.M.) hin zum trüben Einheitsbrei, auf von einem Tief in das nächste. Charme suchte ich in den letzten Jahrgängen der play vergebens.

Ob mit „Abogeddon“ und der „USS play“ in die Zukunft, dem interessantesten Teil dieses Magazins „Was lange wärt, wird endlich gut -> O.P.M. – neu bei CyPress“ oder „des Rätsels Lösung, komm rein in die fun generation“, CyPress hatte immer recht geniale Ideen für Abo- und Eigenanzeigen. Was bekomm ich heute präsentiert? Das schnöde Heftcover mit ein bisschen langweiligem Werbetext – super, ganz toll. Die Zahl der Abonnenten nahm immer weiter ab – mittlerweile sind die Abo-Anzeigen stinklangweilig und werden einfach überblättert. Die Cyan/Magenta Kombination der fun generation konnte man nicht übersehen, egal wie sehr man sich angestrengt hat.

Das OPM2 für junge Casualgamer und weibliche Spieler war ein Reinfall. play und PlayZone stritten sich jedes Quartal ums neue, wer mehr Käufer bei den IVW-Zahlen verloren hat. Konsequnez? CyPress stampfte seine beiden PlayStation-Hefte ein um play³ zu schaffen, die zwar alles anders, aber kaum etwas besser macht.

Wenn man sich die Verkaufszahlen anguckt fällt eines auf. Auch wenn die GamePro große Verluste hinnehmen musste, führt sie bei den Konsolentiteln ohne PC-Anteil doch deutlich. Nach dem alle Multiformat-Konsolenhefte bis auf die MAN!AC im Jahre 2000 hopps gingen, wagte man bei IDG 2002 den Schritt ein neues Heft dieses Genres zu machen und das, obwohl es für die MAN!AC weniger gut lief.

Doch man hatte die zu dem Zeitpunkt bei Konsolenheften noch recht unverbrauchte Idee eine DVD beizulegen. OK, so neu war sie auch nicht, eine Heft-DVD mit Videos gab es sich doch schon eine ganze Weile bei der PlayZone. Doch mit dem lockeren Stil fand man im Bereich Multiformat scheinbar eine Marktlücke. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Als einziges Heft hatte die GamePro steigende Verkaufs- und Abonnentenzahlen, als einziges Konsolenheft der letzten Jahre mehr als 10.000 Abonnenten und was man lange Zeit für unmöglich hielt, man stieß das OPM2 von seinem Marktführerthron.

Sind Multiformatmagazine ein totes Genre? Wohl kaum, denn die GamePro bewies das Gegenteil. Gut, Mitte 2003 versuchte sich CyPress auch wieder an einem, allerdings mit PC und ohne allem, was ein klassisches Heft ausmachte. Mit einem Preis von nur einem Euro und 250.000 Druckauflage wurde die Video Games Aktuell gestartet. Erfolgreich? Mehr oder weniger. Trotz des Dumpingpreises konnte man wohl nicht genug Käufer erreichen. Die CD mit Vollversion kam, Heft kostet 1,99. Der Abwärtstrend war wohl fürs erste gestoppt. Es kamen mehr Seiten, verändertes Coverdesign und schließlich eine DVD. Inzwischen liegt der Preis bei 2,99 und man setzt 50.000 Hefte ab. Rund doppelt so viel, wie die letzten play-Ausgaben. Die anvisierten „Massenmarktzahlen“ erreichte man wohl nie und wird es auch nicht.

Was in der heutigen Magazinlandschaft fehlt ist ein Heft mit Herz und Seele – eine fun generation. Auch wenn ich mich gegen die ganzen Heftbeilagen eigentlich wehre, eine gut gemachte DVD würde ich nicht ablehnen. Klar, auch mit dem üblichen Schnickschnack News, Previews und Tests, aber auch mit Reportagen und Specials, die man in gedruckten Bildern kaum umsetzen kann. Was sagen z. B. ein paar Standbilder über die Entwicklung der Bestias bei Final Fantasy aus? Nicht viel. Tipps zu frustigen Endgegner sind schön und gut, aber wäre es nicht einfacher in der Praxis zu sehen, wie man das Problem aus der Welt schafft?

Wenn man sich das Layout der 2000er fun generation-Hefte anguckt, könnte man optisch bis auf den Wertungskasten auch sieben Jahre später fast alles noch ohne Einschränkungen verwenden. Vielleicht war das der Fehler des letzten fun generation-Konzepts – sie war ihrer Zeit wohl ein Stückchen zu weit voraus.

Das Layout klar strukturiert, übersichtlich, verspielt, ansprechend und schlicht aber gleichzeitig nicht langweilig oder zu farbarm. Alle Artikel hatten eine nette Aufmachung, wodurch sie nicht trist erschienen, einen aber auch nicht mit ihrer Farbpracht erschlagen.

Mir gefällt es noch immer, obwohl ich eher auf extrem bunte Dinge wie die CVG stehe und die „fun“ eigentlich gar nicht meine optischen Vorlieben wiederspiegelt.

Unvergessen sind die Leserbriefseiten: Ein Brief von einem Ex-Redakteur, wo gibt’s denn so was? Wirft man einen Blick in die heutigen Leserforen oder wie sich die Seiten inzwischen schimpfen, es ist fast ausschließlich stumpfes beantworten der immergleichen Fragen „was ist NTSC?, wann erscheint Spiel XYZ, was könnt ihr mir über sowieso sagen?“. Das kann man sich schenken, dafür ist der knappe Platz doch viel zu kostbar.

Bleibt zu letzt noch das Wertungssystem:
Spielspaß lässt sich nicht in Prozenten/im 100er System messen – die Pseudogenauigkeit nützt keinem was, ist die zweite Ziffer doch fast immer nur der persönliche Geschmack des Testers.

Sicher folgt nun der Einwurf: „Wir würden ja gerne, aber der Markt fordert nun mal das Prozentsystem“.

Nunja, störte sich bei CyPress jemand von der Verlagsgründung 1995 bis zum Mai 2000 daran? Nein. Fuhr man damit schlecht? Nein, man war im Sektor der unabhängigen PlayStation-Magazine Marktführer. Wurden die Verkaufszahlen mit dem Wechsel des Wertungssystem besser? Nein – na so ein Zufall.

Vielleicht kennt hier jemand den Slogan des Heftes Neon, „Eigentlich sollten wir erwachsen werden“. Ich möchte kein Heft, welches mich wie ein Kleinkind behandelt, ich will ernst genommen werden. Ich will keine Fachliteratur, ich möchte lediglich umfassend, aber unterhaltsam informiert werden.

Ist es zu viel verlangt eine gut geschriebene, niveauvolle Berichterstattung über sein liebstes Hobby haben zu wollen? Ohne den ganzen Lifestylerotz und ohne übertriebenen Designanspruch bestimmter „Elitehefte“.

Das einzige Heft, welches für mich all diese Aspekte vereinen konnte und wirklich existierte?
fun generation.

Es gibt nichts mehr, was auch nur annähernd vergleichbar auf dem Markt wäre. Es ist ein Loch, welches gefüllt werden möchte – eine Lücke/Nische, die groß genug ist um drin überleben zu können. Drum gebt ihr eine zweite Chance, ready for fun?

Mission: Casualgamer – Ziel: Erreicht?

Wii Player-Logo

Mit der Wii-Konsole und dem DS hat Nintendo eine Konsole/ einen Handheld auf den Markt gebracht, die sowohl neue und bislang unerreichbare Menschen ansprechen als auch solche, die nur selten vor der Konsole hängen, die so genannten Casualgamer. Diese kaufen sich vielleicht alle viertel Jahr mal ein neues Spiel, sind vor allem für EyeToy und Co. zu begeistern und spielen auch gerne Mal Spiele für zwischendurch.

Die Spielergruppe scheint ein ungeheures Ausmaß zu haben, jedenfalls versuchen die verschiedensten Verlage krampfhaft diese Menschen an ihre Hefte zu locken. Hierdurch ergeben sich zahlreiche Probleme. Ein Casualgamer greift wie der Name schon sagt nur gelegentlich zu spielen, genauso wenig kauft er regelmäßig ein Spieleheft. Wenn er zu einem Heft greift möchte er wissen, ob ein Spiel Spaß macht und nicht ob es 16fachen Shader unterstützt. Allgemein wird technisches „Blabla“ nicht so gerne gesehen, auch sollten die Tests keine besonderen Kenntnisse über andere Spiele voraussetzen. Hier ist dann auch der entscheidende Knackpunkt. Tests für Casualgamer müssen vergleichsweise leicht verständlich geschrieben werden. Der regelmäßige Heftleser (die lieben Stammkunden) kommt sich da häufig leicht verschaukelt vor, weil die vermeintlichen Tests eine Aussagekraft von „Schaut euch die Wertung am Ende des Tests an und ihr wisst wie gut das Spiel ist“ haben.

Casualgamern nun ein eigenes Heft zu spendieren ist daher schon mal eine gute Idee. Immerhin kann man es ganz auf ihre Bedürfnisse zuschneiden ohne anderen Leuten etwas wegzunehmen. Wie die Umsetzung bei „Wii Player – Das Magazin“ gelungen ist, schauen wir uns nun ein bisschen genauer an.

Cover:
Menschen bei einem Spielheft aufs Titelbild zu hieven geschieht eher selten und über den Sinn lässt sich sicherlich auf vortrefflich streiten. Fakt ist, wenn sie keinem Spielehelden ähneln, haben sie eine gewisse Neutralität und vergraulen nicht eventuelle Kunden, der mit Genre XY nichts anfangen kann.

Ansonsten dominieren ein warmer gelb-orange Ton und der weiße Hintergrund das Geschehen. Die Schlagzeilen sind aussagekräftig, dennoch nicht reißerisch in Szene gesetzt.

Aktuell:
Die erste Heftrubrik bringt einen bunten Themenmix über ein paar mehr oder weniger aktuelle Spiele. Ganz nett, aber nicht weltbewegend. Erwähnenswert ist höchsten der Spider-Man Artikel. Der besteht aus ziemlich genau 6 Sätzen, bekommt dennoch ganze zwei Seiten eingeräumt, die vor allem von dem Tobey Maguire Bild ausgefüllt werden. Im Anschluss an die Kurzartikel folgt eine Seite mit einer Kolumne mit dem Thema „Nintendo und ich“.

Reportage:
Nach welchem Motto im Heft Blocksatz und linksbündiger Franseltext verwendet wird, ist mir nicht so ganz klar. Der Wii-Bericht ist linksbündig verfasst, der im Prinzip selbe Artikel nur halt für den DS ist im Blocksatz geschrieben. Für Neulinge, auf diese das Heft zielt, sind sie lesenswert und bieten einen guten Kompromiss zwischen Bildern und Infos. Die Reportage zum Thema „Wie entsteht ein Videospiel?“ ist leider etwas arg oberflächlich geraten und auch das Verhältnis von einem Teil Text zu drei Teilen Bildern ist unausgewogen.

Spiele im Fokus ersetzt die typischen Vorschau/Testrubriken. Sie dürfte die umfangreichste im Heft sein, wirkt insgesamt aber etwas kurz, was auch an der mangelnden Vielfalt liegen mag. Sicher interessieren sich die Gelegenheitsspieler vor allem für Jump’n’Runs, Simulationen und Geschicklichkeits-/Denkspiele, dennoch wäre es sicherlich nicht verkehrt gewesen auf den ein oder anderen Blick „über den Tellerrand“ zu gewähren.

Die Bewertung der getesteten Spiele ist denkbar einfach gehalten. „Lohnt den Kauf nicht“, „Guter Titel“, „Pflichtkauf“. Für eine Orientierungshilfe ist das völlig ausrechend, das Herumreiten auf ein paar Prozentpunkten wäre in diesem Heft noch überflüssiger als es sonst schon ist. Die Zielgruppe ist damit bestens bedient.

Die Länge der Artikel ist sehr schwankend, manchmal leider etwas kurz aber überwiegend in annehmbarer Länge.

Mit Shopping-Guide (wer’s braucht…), Gewinnspiel, Leserzeugnis und Lifestylezubehör werden die letzten Seiten gefüllt und schon ist man bei der Vorschau auf Seite 66 für das nächste Heft angekommen.

Fazit:
2,99 sind für gerade mal 68 Seiten nicht gerade günstig, dennoch lohnt sich die Investition, wenn man zur angepeilten Zielgruppe des Heftes gehört. Auf Grund ihrer sehr unterschiedlichen Längen lassen sich die Artikel nicht pauschal als gut oder schlecht abstempeln. Überwiegend werden aber brauchbare Texte abgeliefert, an den sich so mancher Lifestyletitel gerne eine Scheibe abschneiden darf. Frau ist mit „Wii Player – Das Magazin“ übrigens auch weit besser als mit „play vanilla“ bedient.

Am 20. Juni geht’s mit Ausgabe 07+08/2007 weiter. Wünschen kann man sich neben ein paar mehr Seiten Umfang eigentlich nur, dass das vorhandene Potenzial genutzt und weiter ausgebaut wird. Um die Zukunft des Heftes zu sichern, wären ein paar Anzeigenkunden mehr nicht schlecht, es gibt gerade mal drei Seiten Werbung (+ drei vom Verlag). Das Projekt an diesem Punkt scheitern zu sehen wäre jedenfalls bitter.

Daten und Fakten:
Start: 18. April 2007
Erstausgabe: 05+06/2007
Verlag: Computec Media
Segment: Casual-Spielehefte/Nintendo-Magazin
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Copy-Preis: EUR 2,99
Redakteur (V.i.S.d.P.) : Florian Brich
Druckauflage: 60.000 Exemplare (Verlagsangabe)

Layoutgeneration Nr. 4 – PC PowerPlay Ausgabe #30

Frisch gestylt startet PC PowerPlay in den Mai. An der Doppelartworkstrategie wird leider erst mal festgehalten, so dass das Two-Worlds-Motiv sich nicht ganz entfalten kann. „Gothic-Flop“ und „Battlefield kann einpacken“ – diese Art von BILDschlagzeile nervt beizeiten, ist zum Glück aber relativ dezent auf dem Cover platziert. Erst beim genaueren Hinsehen fällt ein wichtiger, positiver Punkt auf: Der „Mehr Spiel/Spaß/Service“-Slogan ist verschwunden.

Editorial:
In den letzten Monaten arg von mir gescholten, ist es diesen Monat gelungen. Die Neuerungen werden kurz vorgestellt (wenn auch der Platzseitenhieb nicht hätte sein müssen) – und, Rüdiger wird verabschiedet und das neue Redaktionsmitglied vorgestellt. „Rüdi im Wandel“ ist wirklich ein nettes Detail.

Der Newsteil ist zwar nun eine ganze Ecke bunter, sieht jedoch wesentlich übersichtlicher und strukturierter aus.

Auf Grund der neuen Schrift lässt und der Umstellung auf ein dreispaltiges Layout lässt sich die Textmenge schlecht beurteilen ob man mehr oder weniger bekommt (HomiSite, wo bist du? ;)). Insgesamt macht der Vorschauteil einen sehr übersichtlichen, schlichten Eindruck und lässt sich vom Auge gut erfassen.

Die Teamseite hat sich vom Cynamitegrün verabschiedet, hier dominiert ein wesentlich augenfreundlicheres blau von nun an das Geschehen. Ebenso ist die neue Rubrik(überschriften)art wesentlich angenehmer zu lesen.

Testteil:
Viele massive Kritikpunkte der dritten Layoutgeneration wurden ausgemerzt und so präsentiert sich eine deutlich entschlackte „So testen wir Seite“.

Sprache, USK-Angabe, Preis und Steuerungsgeräte werden nun endlich wieder textlich dargestellt, die platzraubenden Symbole sind verschwunden. Ebenfalls hat man sich vom Säulendiagramm „Direktvergleich“, sowie von der völlig überflüssigen Angabe zur Steuerung verabschiedet. Das Tortendiagramm „Spielelemente“ taucht zwar immer noch auf, ist jedoch wesentlich ansehnlicher geworden.

Ebenfalls dringend nötig war eine Überarbeitung der Top 30 Listen. Diese enthalten zwar nur noch 25 Spiele, die schülerzeitungsähnliche Aufmache ist nun einer professionelleren gewichen.

Die Tests sind allesamt augenfreundlich gestaltet, auch kommt der heile, nicht in der Mitte durchgebrochene Wertungskasten wieder zum Einsatz. Von der Länge her kommen sie mir recht kurz vor, kann aber wie eingangs erwähnt durch die neue Schrift täuschen.

Die Leserbriefe haben eine anständige Länge, für meinen Geschmack darf an diesen Seiten aber noch nachgefeilt werden. Es wirkt einfach noch zu platzverschwenderisch. Vor allem, da man sich auch im Wertungskasten von unnützen grafischen Spielereien getrennt hat, hätte man hier auch noch mal das Radiergummi ansetzen könne.

Nanu, Leserbriefe, jetzt schon? Ja, der dreizehnseitige Magazinteil ist ein Stückchen nach vorne gerutscht, wohingegen sich der Hardwareteil nun am Ende des Heftes befindet. Auf die Erwähnung des WoW-Teils *räusper*, der Tipps und Trick-Seiten habe ich verzichtet.

Fazit:
Den meisten überflüssigen Schnick-Schnack der dritten Layoutgeneration hat man hinter sich gelassen und damit viele Kritikpunkte der letzten Monate ausgemerzt. Das Heft macht einen deutlich besseren Eindruck als die letzten Monate, ob optische Gestaltung, Editorial oder Magazinteil.

Mit 118,5 redaktionellen Seiten wird leider nun ein drittes Mal in Folge ein neuer Tiefststand markiert. Ohne es jetzt speziell an „dieses oder jenes fehlt“ festmachen zu können, so spürt man die fehlenden 20-40 Seiten doch deutlich, hier herrscht dringender Nachholbedarf.

Daten und Fakten:
Start: 24. November 2004
Erstausgabe: 12/2004
Verlag: CyPress GmbH
Segment: PC-Spiele-Heft
Erscheinungsweise: monatlich
Copy-Preis: EUR 2,99 inkl. DVD
Chefredakteur : Martin Deppe
Verkaufte Auflage: 70.464 Exemplare (IVW, IV/2006)

Xbox 360 Sonderheft – Die besten gibt’s nur einmal

Die Überschrift kann man sowohl positiv als auch negativ auslegen. Das Xbox 360-Sonderheft der „Video Games Aktuell“ hat es leider nur auf eine Ausgabe gebracht. Doch der Reihe nach:

Das Cover ist zugegebener Maßen ziemlich vollgestopft, weiß aber trotzdem zu gefallen. Das mag einerseits an den verspielten Details liegen, andererseits an der sehr gut aufeinander abgestimmten Gestaltung. Wo bei vielen Heften die Spalte mit dem DVD-Inhalt wie ein Fremdkörper wirkt, schmiegt sie sich hier perfekt ins Cover ein und weiß die Balance zwischen Design und Information zu halten.

„Pflichtkauf oder Mogelpackung?“, so lautet die Frage des sehr gut geschriebenen Editorials. Wer nun Lobhudelei erwarten würde angesichts eines Sonderheftes zum Konsolenlaunch wird leider enttäuscht, genauso wer sich insgeheim schon auf einen Veriss gewartet hat. Dank des Multiformat-Eltern wird die nötige Neutralität bewart. Lobenswert: Im Gegensatz zum Mutterheft wird der Leser nicht gesiezt, sondern mit „ihr/euch“ angesprochen, was für ein angenehmes Gefühl beim Lesen sorgt.

Inside Xbox 360
Wie es sich für ein Sonderheft dieser Art gehört, wie die Konsole erst einmal sehr ausführlich vorgestellt. Die Gestaltung der Seiten ist schlicht und übersichtlich. Dennoch muss keine Tristes befürchtet werden, man hat lediglich auf überflüssige Designelemente verzichtet und sich aufs Wesentliche konzentriert.

Test 360
Wie nicht anders zu Erwarten das Herzstück des Heftes auf über 43 Seiten. Die Tests haben eine Mindestlänge von zwei Seiten, was ihnen gut zu Gesicht steht. Um die volle Pracht eines Spieles besser rüberbringen zu können gibt es min. einen Screenshot, der ca. eine Drittelseite ausfüllt. Der Aufbau der Tests erfolgt steht’s übersichtlich nach dem gleichen Schema.

Links ein Faktenkasten mit den nötigen Infos zu Spiel, darunter ein bildlicher Vergleich zwischen PAL-TV und HDTV Bild, sowie ein Xbox-Live-Kasten. Die obere Hälfte einer Seite ist grundsätzlich für die Bilder da, die untere für den Text. Auf der rechten Seite befindet sich die Redakteursmeinung, sowie der Wertungskasten. Pro und Contra sind Standard, nettes neues Detail ist die „Wieso?“-Frage. Einzelwertungen gibt es für Grafik, Sound und Steuerung, zusätzlich ist zu den Punkten noch ein knackiger Satz geschrieben. Abgerechnet wird bei allen Wertungen im 100 Punkte-System, ab einer Spielspaßwertung von 85 gibt es die Xbox-360-Ikone. Die Fußzeile wird für Anmerkungen genutzt und runden das Gesamtbild ab.

Bei der Bewertung wird kein Blatt vor den Mund genommen, die im Blocksatz geschriebenen Tests sind ehrlich und direkt. Einziger Kritikpunkt ist die etwas große Schrift. Der Textlänge zu liebe hätte man eine etwas kleinere wählen können.

Vorschau 360
Ungewohnt ist die Rubrikreihenfolge schon ein wenig, deswegen aber nicht schlechter. Die Previews sind ähnlich aufgebaut wie der Testteil, jedoch etwas bunter gestaltet. So besteht der Spieltitel immer aus seinem Originalschriftzug.

Abschließend kommt die obligatorische Releaseliste (jedoch ohne Ersteinschätzungen der Titel) gefolgt von einem HD-TVs-Special. Dies stellt auch mehr oder weniger den einzigen großen Kritikpunkt des Heftes da. Es gibt nur eine Geräteübersicht, wie gut oder schlecht die vorgestellten Modelle sind, erfährt man leider nicht.

Es folgen noch auf 4 Seiten die knappe Vorstellung von sieben Xbox-Klassikern. In der Form hätte man zwar auch gut drauf verzichten können, da es sich aber um ein Xbox 360-Sonderheft handelt, kann man es als nette Zugabe zum Abschluss ansehen.

„Keines von beidem!“, so lautet auf Seite 114 die Antwort auf die Frage des Editorials. Ein genialer Abschluss eines gelungenen Heftes.

Unter Leitung von Thorsten Küchler und Layout-Guru Fränk Bogon ist ein außergewöhnlich gutes Sonderheft erschienen. Vom Inhalt über den Schreibstil bis zum Layout, hier stimmt einfach alles. Wer bedenken hat nur Artikel 1:1 aus dem Hauptheft vorgesetzt zu bekommen kann beruhigt werden. Zwar findet man den ein oder anderen Test wieder, jedoch wurde im Sonderheft das starre „Story/Spiel/Fazit“-Schema der „Video Games Aktuell“ gelöst, sodass man ein wesentlich intensiveres Leseerlebnis verspürt.

Bleibt nur zu sagen: „Gut gemacht und nun habt endlich Mitleid mit uns und macht eine zweite Ausgabe!“

Daten und Fakten:
Start: 02. Dezember 2005
Erstausgabe: 12/2005
Verlag: CyPress GmbH
Segment: Sonderheft/Xbox 360-Magazin
Erscheinungsweise: Einmalig
Copy-Preis: EUR 5,99 inkl. DVD
Chefredakteur : Thorsten Küchler
Druckauflage: 80.000 Exemplare (Verlagsangabe)

play3 – Warum alles anders ist und sich doch nichts geändert hat

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Letzten Monat läutete CyPress das Ende einer Ära ein. Nach fast 10 Jahren oder 119 Ausgaben wurde die play THE PLAYSTATION eingestellt. play PLAYSTATION wurde damals als Gegenpol zum offiziellen PS1-Magazin gestartet und grenzte sich durch ein völlig anderes Konzept komplett vom Mitbewerber ab und wurde zur Erfolgsstory. Als das erste unabhängige PlayStation Magazin wischte es von 98 bis 2000 mit sämtlichen Mitbewerbern den Boden auf, auch wenn diese häufig einen wesentlich günstigeren Heftpreis hatten und überlebte sie bis auf einen alle.

Ein dementsprechend schweres Erbe tritt play³ an und um es vorweg zu nehmen: Der Versuch scheitert kläglich.

Laut Aussage von CyPress wird play³ als erwachsenes Videospielmagazin positioniert. Wie ernst es mit diesem Versuch gemeint ist wird bereits auf dem Cover deutlich. Nicht weniger als 5 Artworks sind auf das Cover gequetscht. Zwei in der DVD-Spalte, drei als „Hauptmotiv“. Nicht nur das Ästhetikgefühl fürs Bild ging dabei über Bord, auch das für die Sprache musste mit der Konstruktion „Größer, schöner, besser – Lara in Bestform!“ dran glauben. Das Fanboyherz wird höher schlagen, wenn es von einem noch schöneren Oblivion als auf der Xbox 360 hört. Vollendet wird die Ansprache des älteren Lesers mit „Spielen, surfen, saugen“ zum Thema PS3-Online.

„Herzlich willkommen liebe Spieler-Gemeinde!“
So wird das Baukasten Editorial eingeleitet. Nach einem „wir sind die neuen, obwohl so neu sind wir gar nicht“ geht es mit „wir sind toll, sind die ersten und haben Exklusivstorys“ weiter. Abschließend wird einem noch gute Unterhaltung gewünscht – von wem ist allerdings nicht ersichtlich. Verständlicher weise wollen weder Chefredakteur noch das play³-Team diesen Text unterschreiben.

Das auf Hochglanzpapier gedruckte Heft beginnt mit einem Special zu den 100 besten PS2-Spielen. Auf 10 recht farblosen, dafür mit Artworks vollgestopften Seiten kann man sich noch mal einen kurzen Überblick über GT 4, MGS, San Andreas und Co. verschaffen.

Der Vorschaubereich beginnt mit Neuankündigungen. In unterschiedlichen Größen werden hier Spiele vorgestellt, für die es noch nicht genug Material für ein Preview gibt. Lobenswert: Man verzichtet hier auf Einschätzungen und Tendenzen in Form von Sternchen.

Mit Assassin’s Creed kommt die erste große Vorschau. Der Umfang ist mit 6 Seiten (5 Preview + 1 Interview) sehr großzügig bemessen, besteht jedoch zu min. 60 Prozent aus Bildern. Zusätzlich gibt es zahlreiche Layoutverbrechen. Leider ist die Spaltenbreite der play³ variabel und leider wird davon auch gebrauch gemacht. Nebeneinander sieht das schon ein wenig unschön aus, übereinander (breite Spalte, Textzitat, schmale Spalte) stört es den Lesefluss. Sollten Meinungskästen auf der linken Seite platziert sein, so ist der Meinungstext rechtsbündig (!) geschrieben. Es tut nicht nur in den Augen weh, es ist auch schwer zu lesen.

Ohne auf jedes einzelne Preview eingehen zu wollen wird man früher oder später auf ein Layoutelement stoßen, welches auch schon PC PowerPlay-Leser zur Weißglut getrieben hat: Ein riesiges Cynamite.de-Sternchen z.B. mit dem Hinweis auf noch mehr Infos, Videos und Bilder auf der Webseite; auf Entwicklertagebücher und auf Ersteindrücke zur PC-Version.

Auf Seite 50 mit dem Beginn der Wertungserklärung zeigen sich gemischte Gefühle auf. Einerseits freut man sich über das „50% = durchschnitt“-Wertungsniveau, andererseits sind Verlust von „Rating“ und „playKING“ zu beklagen. Stattdessen gibt es die übliche Spielspaßwertung im 100er System, sowie einen Einzel- und Mehrspielaward. Die Gestaltung erinnert an eine Web 2.0 Variante der DVD-Vision-Auszeichnung, die Namen sind powered by PlayZone.

Die Teamseite setzt bekanntes von play und OPM2 fort ohne Neuerungen zu bieten. Erwähnenswert ist höchstens noch der Hinweis auf den Hinweis, dass alles subjektiv auf diesen Seiten geäußert wird.

Die Tests bewegen sich zwischen sehr schlicht gestaltet (UEFA Champions League) und optischem Overkill (God of War II), enthalten teilweise auch die aus den Previews bekannten rechtsbündigen Meinungskästen, sowie die ebenfalls schnell nervigen „Zusatzinfos auf Cynamite.de“-Sternchen. Immerhin, es gibt nur einen Halbseiter, die restlichen Spiele bekommen min. eine.

Es folgt der Seviceteil. Von nun an sind Erscheinungstermine, Charts und Bestenlisten gebündelt und nicht mehr über das Heft verstreut.

Mit „online“ folgt eine neue Rubrik. Es wird erklärt, wie man mit der PS3 ins Internet kommt, zudem werden extrem knapp aktuelle Spiele des PlayStation-Stores vorgestellt und im 10er System bewertet. An der Doppelseite Hardware gibt es vielleicht von der Rubrikfarbe abgesehen nichts zu kritisieren.

Die aus OPM2 bekannte völlige Abgrenzung des PSP-Bereiches hat leider auch in play³ Einzug gefunden. Erfreulicher Weise wird man aber nicht mit 3 Seiten abgespeist, sondern bekommt satte 8 Seiten spendiert. Optisch ist er angenehm schlicht gehalten, die Kritikpunkte rechtsbündig und Cynamite-Sternchen will ich an dieser Stelle nicht noch ein drittes Mal breittreten.

Der Tipps und Tricks-Teil war in letzter Zeit sehr umstritten, aktuell besteht er nur noch aus einer Seite, auf der der Inhalt der PDF-Dateien auf DVD aufgelistet ist.

Community tritt für mich die Nachfolge des „Entertain me“ Bereiches an. Der PlayStation 3 Launch „Bericht“ zeigt zu 7/8 Bilder von Mola, Sido und Co. und besteht eigentlich nur aus der Aufzählung von Möchtegernstars. Eine weitere Seite wird verschwendet für die Vorstellung von Clubs auf cynamite.de, eine weitere für die Cynamitebestenlisten (User des Tages, bester Blog etc. pp). Leserbriefseite gibt es auch schon, hier wird das Nonsensgelaber von OPM2 fortgesetzt.

Letzter Teil des Heftes ist eine BluRay-Rubrik. Ähnlich „umfangreich“ wie auch der einstige DVD-Teil. Wer sich nur für Wertungen interessiert, wird damit glücklich werden.

Der König ist tot, es lebe der König? Wohl kaum. Wer die Seele in den letzten Monaten bei der play THE PLAYSTATION vermisst hat, wird weitertrauern müssen. Das Layout ist eine Fusion aus Textgestaltung der Games Aktuell und „schlicht, weiß, bunt“ OPM2. Soll heißen, es wird viel auf keine Hintergrundsbilder gesetzt, dafür werden die Tests viel mit Artworks und riesigen Screenshots gefüllt. Neue Elemente sucht man von den Nervigkeiten der Cynamitesterne abgesehen vergebens, ob Awardgestaltung oder Onlinerubrik, alles hat man schon mal irgendwo in Teils besserer Form bei der Konkurrenz gesehen. Spielereien fehlen von der Teamseite abgesehen gänzlich, der Communitybereich tendiert irgendwo zwischen Platzverschwendung und verarsche.

Beim Versuch ein Spieleheft für die bislang vernachlässigte Gruppe der älteren Spieler zu machen hat man komplett versagt. Mit den Leser siezen und eine kalte Distanz aufzubauen ist es bei weitem nicht getan. Kein Schritt vor, aber viele zurück.

Daten und Fakten:
Start: 18. April 2007
Erstausgabe: 05/2007
Verlag: CyPress GmbH
Segment: PlayStation-Magazin
Erscheinungsweise: monatlich
Copy-Preis: EUR 4,99 inkl. DVD
Chefredakteur : Stephan Girlich
Druckauflage: 115.000 Exemplare (Verlagsangabe)

play vanilla – Deutschlands erstes Spielemagazin (nur) für Sie

Vor Monaten groß angekündigt und nun seit dem 04. April 2007 im Handel erhältlich, play vanilla, das Spielemagazin für Frauen. Lifestylezeitschriften sind nun wirklich nicht gerade eine Erfindung der letzten Monate und die Idee Casualgamer anzusprechen ist mehr als nur angestaubt. Ein Geschlecht bei einem Spieleheft, in diesem Fall das Männliche, völlig auszuschließen zu wollen ist in der Tat neu.

Eine Packung Klischees, extra groß, bitte!
Schon beim Cover wird eines deutlich, einen tieferen Griff in die Klischeekiste hätte man kaum tätigen können. Rufen wir uns doch einfach noch mal spaßeshalber das Cover einer Frauenzeitschrift in den Kopf und erinnern uns an alle Vorurteile: Stars, Accessoires, Freizeittipps und Diäten. Und was genau bietet uns play vanilla? 69 trendige Spiele für jede Gelegenheit, teurer Ramsch *ähm* coole Accessoires für Ihr Zuhause und last but not least: Schlankmacher Wii und EyeToy im Test.

Wer nun hofft, im Editorial würde es besser werden (Cover muss halt so sein, soll ja verkaufen etc. pp) wird bitter enttäuscht bzw. eines besseren belehrt. Auch hier werden die Geschlechterrollen von der Stange munter weiter propagiert. Die meisten Genres im Spielebereich seien eher was für Männer (Militärspiele, Shooter, Motorsport), wohingegen Frau mehr wert auf Spiele für Herz, Sinn und Verstand gleicher Maßen lege. Außerdem sei das Magazin für alle, denen die meist oberflächliche Berichterstattung einer Fernsehzeitung nicht ausreicht und die kein Technikgequatsche hören wollen.

Aha, Frau ist also kaum in der Lage schwerere Kost als die Fernsehzeitung zu lesen. Fragt sich nur, wie die je ca. 10% weiblichen Leser es bei der PC Games und der GameStar mit ihren Heften klarkommen. Um noch mal zu den Klischees zu kommen, Frauen sind ängstlich und schreckhaft und aus dem Grunde müssen sie auch mit einem „Vorsicht Splatter“-Symbol vor solch grauenhaften Spielen gewarnt werden. Immerhin positiv: Frau wird im Gegensatz zu Mann zugetraut auch mit Wertungen klar zu kommen, die nicht aus 100 Abstufungen, am besten noch mit 3 Nachkommastellen, bestehen – play vanilla setzt auf ein 5er System.

Rubriken

play vanilla Talk:
Allgemein ist bekannt, dass Frau sich für Welt der Stars und Sternchen interessiert mit dem dort verbundenen Klatsch und Tratsch. Verschiedene weibliche Promis (z. B. Anastasia, Collien Fernandes) erzählen nun, warum sie was gerade Spielen.

Belanglos und ohne Nährwert, aber OK, das haben solche Themen nun mal so an sich.

First Look:
Die obligatorische Previewrubrik eines jeden Spielheftes. Die Texte sind arg bildlastig und extrem kurz, gehen aber in Ordnung. Vor allem der vierseitige Bericht zu Assassin’s Creed ist ok.

Short Play:
Die Rubrik beginnt mit MP3-Playern und Handynews, vor allem werden besonders unpraktische Modelle vorgestellt, sowie hässliche Ipodaufkleber und Handytaschen. Die neusten Mobiltelefone ‚frisch vom Laufsteg‘ dürfen natürlich auch nicht fehlen. Weiter geht es mit Haufenweise Casualgames fürs Handy, die in extrem kurzen und nichtssagenden Texten, dafür reich bebildert vorgestellt werden. Auf den Seiten 72 bis 75 finden sich einige größere „Tests“. Mehr als eine Spielbeschreibung mit Wertung darunter sollte allerdings nicht erwartet werden. Das Text/Bildverhältnis liegt in etwa bei einem Teil Text und zwei Teilen Bildern.

Happy Hour:
Mit Spielnews und Hardware soll laut Inhaltsverzeichnis dieser Heftteil beginnen, zu Gesicht bekommt man aber überwiegend sündhaftteure Staubfänger, pardon, nützliche Gadgets.

Endlich ist man auch beim lang erwarteten Highlight angekommen, der Titelstory ‚Fit Wii nie‘. In an Peinlichkeit kaum zu überbietender Weise (sowohl vom Text als auch von den Bildern) wird man durch das Wii-Sports und EyeToy: Kinetic Combat Workout geführt. Bitte unbedingt weiterblättern um Folgeschäden zu vermeiden. Anschließend folgen wieder einige mehr oder weniger belanglose Tests mit reichlich bunten Bildern zum Sammeln und tauschen.

Ladies Night:
Wie gehabt wird mit einer Doppelseite News und überflüssigem Krams gestartet. Weiter geht es mit einer selten dämlichen Fotostory „Die (PS3) oder ich!“. Überraschung: Es folgen wieder Tests nach altbekanntem Schema, diesmal aber zu Spielen, mit denen sich schon einige Stunden länger vor der Glotze verbringen lassen (z.B. FFXII)

My Vanilla Living:
Fraus liebstes Hobby muss nun ein letztes Mal exzessiv ausgelebt werden: Es folgen weitere teure Einrichtungsgegenstände und ein 13 Seiten Shoppingguide für Konsolen und Handhelds.

„Geht draußen Spielen“, „Deutschlands schönes Pokerface“ und „die schönsten neuen Spiele“. Auch Ausgabe #2 wird dort weitermachen, wo das erste Heft endete.

Bleibt am Ende nur eines zu hoffen:
Möge Frau am Kiosk mündig genug sein und ein paar cm weiter zu einem echten Spieleheft greifen. Wenn play vanilla eines tut, dann das Image zu unterstreichen Frauen als Spieler nicht ernst zu nehmen und leidige Rollenklischees aufrecht zu erhalten.

Als Anmerkung zum Schluss. Auch Mann weiß durchaus ein Casualgame in der Mittagspause oder für zwischendurch zu schätzen, nicht umsonst schießen Portale mit Flashgames wie Pilze aus dem Boden. Genauso ist Frau nicht damit überfordert auch mal zwei Seiten Text mit Inhalt und ohne Technikblabla zu lesen und ein Spiel zu spielen, das über Tamagotchis hinausgeht.

Daten und Fakten:
Start: 04. April 2007
Erstausgabe: 05+06/2007
Verlag: Computec Media
Segment: Spiele/Frauenzeitschrift
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Copy-Preis: EUR 1,90
Chefredakteurin : Petra Fröhlich
Druckauflage: 100.000 Exemplare (Verlagsangabe)