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Relaunch 09/2016 – Heise fährt c’t ohne Not gegen die Wand (Update)

Zeitschriften-Relaunches sind eine ganz schön gefährliche Sache, denn die Erfahrung hat gezeigt: Nur selten ist ein Heft danach optisch und inhaltlich auch wirklich besser. Egal ob GamePro, PC Action, PC Powerplay oder Computer Bild Spiele – nach jeder Komplettüberarbeitung wurden die Hefte entkernt und ihrer Seele beraubt. Unter dem Deckmantel der Modernisierung wurden vor allem der Arbeits- und Produktionsaufwand an den Magazinen so drastisch reduziert, dass auch der letzte Käufer wusste, es handelt sich bloß um Sparmaßnamen. Das hat den weiteren Niedergang der Hefte dann nur noch beschleunigt.

Bisherige leuchtende Ausnahme in diesem Zirkus: Die c’t aus dem Heise Verlag. Die letzte optische Überarbeitung der c’t ist 13 Jahre her – damit wirkte das Magazin zwar vielleicht ein wenig angestaubt und wie aus der Zeit gefallen, lief damit aber erstaunlich gut.

Marktentwicklung
Das gesamte Segment der Computerzeitschriften ist stark schrumpfend. Innerhalb von nur fünf Jahren verlor beispielweise die Chip 46%, PC Magazin und PC Go 65% und die PC Welt sogar 71% ihrer Auflage. Der vergleichsweise geringe Verlust der Chip bzw. der große der übrigen Mitbewerber beruht darauf, dass erstere immer noch die Auflagenzahlen mit Bordexemplaren schönt, wohingegen sich der Rest davon verabschiedet hat.

Axel Springers Computer Bild verlor hingegen echte 54% an Auflage, während es bei Heises c’t bloß 21% waren – bei beiden findet Auflagendoping nur im sehr geringem Maße oder gar nicht statt. Im 4. IVW-Quartal 2015 kam es nun zu folgender Situation: Die c’t verlor wieder ihre gewohnten 3% an Käufern, während die Computer Bild mit fast 20% wieder ordentlich Federn lassen musste.
Damit hatte man auf einmal das Kuriosum, dass die c’t mehr Hefte verkauft als die Computer Bild, rechnet man nur die harten Auflagenzahlen Abo+Kioskverkauf zusammen: 253.934 verkaufte Exemplare bei der c’t gegen 253.114 Exemplare bei der Computer Bild. Ohne nur einen einziger Käufer zu gewinnen hat man es mit stringenter Heftlinie geschafft, Europas größtes Computermagazin zu werden. Eigentlich eine ganz schön komfortable Situation.

Ohne Not Probleme geschaffen
Letztendlich hätte man mit der Situation gut leben können, trotz der Auflagenverluste. Mit c’t Fotografie, Mac&i, und c’t Make stellte man dem Hauptheft in den letzten Jahre drei 9,90 Euro teure Schwesterpublikationen zur Seite. Gleichzeitig hat Heise eine so gute Reputation, dass sie sich es leisten können Anzeigenkunden ans Bein zu pinkeln und nur für ihre Leser zu schreiben. Herz, was willst du mehr?

Für das, was die beiden Chefredakteure zusammen mit der Hamburger Hipster-Agentur „zmyk“ verbrochen haben, braucht man eigentlich nicht viele Worte. „Strg+Z“ oder „Zurück zur letzten Version“ genügen. Aber wo bliebe denn da der Spaß?

Das Relaunch-Desaster
Stilistisch hat sich der Titel nicht verändert, eine bunte Farbe plus ein typisches c’t-Motiv. Allerdings gibt es neue Schriften. Egal wie lange man das Titelthema „Weg von Windows 10“ auch betrachtet, man kommt einfach nicht darüber hinweg zu glauben, die Schrift wäre in der Höhe ordentlich zusammengestaucht worden.

Das Editorial ist seit jeher in einer Monospace-Schriftart verfasst, als hätte man den Text auf einer Schreibmaschine verfasst. Bereits hier kam man nicht drum herum einen neuen Font zu nehmen. Dieser ist jetzt serifenlos und wenn man so möchte, das Gegenteil von dem, was man im Rest des Heftes abgezogen hat. Vor allem ist er eines: Dünner und noch schlechter lesbar.

Wenn sich das Inhaltsverzeichnis nicht bereits auf dem Cover befindet, sollte man dieses schön sauber auf einer Doppelseite gestalten, sämtliche Themen sauber auflisten und zusätzliche noch die Topthemen anfeaturen, damit man Lust auf mehr bekommt. Also genauso machen, wie es bis Ausgabe 08/2016 der Fall war. In der äußeren Spalte auf beiden Seiten die Gesamtauflistung, in den mittleren zusätzlich die Hauptthemen. Jetzt ist alles hintereinander weg aufgelistet und man hat das Gefühl, die drei angeteaserten Hauptthemen sind nur noch irgendwie mit reingestopft worden, um irgendwie den Platz zu füllen. Es lädt jedenfalls nicht mehr zum Stöbern ein, sondern will nur noch überblättert werden – leisten wir dem Drang doch mal Folge.

Beim Newsteil angekommen drängt sich sofort die brennende Frage auf, was denn zur Hölle hier passiert ist. Dass er ein wenig stärker bebildert ist, lässt sich durchaus verschmerzen, auch wenn dadurch natürlich ein wenig Text flöten geht. Allerdings möchte man beim neuen Artikeleinstiegsdesign gleich selbst Hand anlegen und als allererstes den Rahmen des Einstiegsbildes aufziehen. Das ist ein wenig nach Innen eingerückt, was irgendwie falsch und nicht nach gewolltem Designelement aussieht. Blättert man weiter im Heft, verhärtet sich dieser Gedanke, da kein System existiert wie weit die Bilder vom Rand entfernt sind und permanent Springen. Man könnte fast meinen, man hätte ohne Musterseiten gearbeitet. Anfängerfehler.

Je weiter man durchs Heft blättert, desto mehr drängt sich die Frage auf, ob die Gestalter des Layouts jemals etwas von „Absatzformaten“ gehört hat. Headline und Subline-Texte ändern sich permanent in der Größe, jedoch ohne den Eindruck zu erwecken, es wäre ein gewolltes Gestaltungsmittel. Der Platz bestimmt, wie etwas aussieht. Artikelgestaltung aus einem Guss ist ja so spießig.

Das Prozessorgeflüster ist hat einen gefühlt in 10% Cyan getauchten Hintergrund bekommen, der voll nach 90er Jahren aussieht – nur noch ein Verlauf nach Weiß fehlt. Nebenbei gibt es wieder eine völlig sinnfrei ins Heft eingerückte Headline und darunter einen fast faustgroßen Weiß… ähm Blauraum zum Atmen, bevor der Artikel anfängt.

Bisher wechselten sich im Newsteil ein drei- und vierspaltiges Layout ab. Das hatte den Vorteil, dass man relativ problemlos jedes Anzeigenformat unter bekam. Jeder der schon mal das „Vergnügen“ hatte ein zweispaltiges Layout zu setzen, weiß wie das aussieht, wenn eine drei Spalten breite Anzeige reinkommt – richtig scheiße. Auf Seite 27 und 39 findet man solche Lehrbuchbeispiele.

Dass man jetzt auf ein zwei bzw. dreispaltiges Newslayout setzt, führt neben dem negativen optischen Aspekt leider auch zu einem Inhaltlichen. Es passen schlicht weniger Artikel auf die Seite, die dezent größere Schrift tragen ihr Übriges dazu bei. Die großen Weißräume zwischen den Meldungen, ich vergaß – die Luft zum Atmen, sorgen ebenfalls für Informationsverlust. Gleichzeitig ist es optisch so schlecht gemacht, dass man neuerdings Trennlinien einsetzen muss, da die Meldungen sonst trotz der gigantischen Abstände ineinander verfließen.

Die Kurztests, die bisher informativer waren als bei so manchem Heft das Titelthema verdienen nun endlich ihren Namen – sie sind viel kürzer. Endlich mehr Platz für Bilder und nicht für diesen doofen Text.

Eine Frage des Einstiegsbildes
Bei Produkttests setzte man bisher auf freigestellte, d.h. von ihrem Hintergrund befreite, Produktfotos. Das war ansehnlich und einheitlich. Was man jetzt gemacht hat, entspricht keiner klaren Linie mehr. Mal sieht man den hellgrauen Original-Fotohintergrund, mal hat man wiederum sich die Mühe gemacht ein Produkt freizustellen, um es dann vor dunkelgrau, Windows 95 grün oder Windows 95 grün, Farbton 30% zu setzen.

Gipfel von Hässlichkeit und Platzverschwendung ist allerdings Seite 76-77. Einen zweiseitigen Artikeleinstieg, auf dem lediglich Headline, Subline und die Themen der kommenden Seiten aufgelistet sind, hat man in der c’t noch nicht gesehen. Und vor allen Dingen nicht gewollt. Nebenbei kommt hier auch richtig das neue Einstiegsbilddesign zum Tragen. Bisher gab es leicht trashig aussehende, aber stets liebevoll und individuell gestaltete 3D-Renderings im unverwechselbaren c’t-Design. Diese waren sogar so erfolgreich, dass sie ganze Kalender zierten.
Jetzt sind die Artikelaufmacher im Look der verhassten Windows 8-Kacheloptik gestaltet. Das sieht nicht nur scheiße aus, sondern ist auch eine enorme Zeitersparnis. So lässt sich ein Einstiegsbild für einen Artikel in weniger als fünf Minuten gestalten – es dauert nicht mehr Stunden.

Eine Frage der Details
Neu ist z. B. eine kleine Spielerei unter den Seitenzahlen. Bei langen Artikel hat man hier kleine Fortschrittkästchen, die Anzeigen, wie viele Doppelseiten man noch vor sich hat. Ganz nett die Idee, wenn’s auch nicht wirklich was bringt und fehleranfällig ist. Furchtbar sind auch bei Produktvergleichstests die neuerdings mit grau hinterlegten Kästen, die dem Auge wohl als Orientierung dienen sollten. Davon ab, dass es altbacken wirkt: Vor dem neuen Layout hat das Auge keine Orientierungshilfe benötigt, da es sich optisch von alleine ergeben hat.
„Hübsch“ sind auch die Buchkritik-Seiten geworden. Statt drei einspaltiger Kritiken befinden sich nun nur noch zwei im dreispaltigen Layout auf einer Seite. Man hat also das Kunststück fertig gebracht trotz kleinerer Bilder durch die neue Anordnung 33% weniger Inhalt auf einer Seite unterzubringen – Respekt, das muss man erstmal hinbekommen.

Ich habe immer sehr bedauert, dass Heise nie eine „c’v“ – Magazin für Computer und Videospiele gemacht hat. Jetzt im neuen Layout bekommen die Spieletests endlich etwas mehr Platz eingeräumt. Zumindest in der Theorie, denn statt Halbseiter gibt es jetzt Einseiter. In der Praxis gibt es neuerdings eine fast halbe Seite Einstiegsbild, sodass am Ende vielleicht drei Sätze gewonnen wurden.

Selbst die Vorschauseite hat man in der optischen Gestaltung vergeigt – hier ist der Text noch breiter als bei den zweispaltigen Standardseiten – von komfortablem Lesen keine Spur.

Fazit
Was die c’t-Chefredakteure und die Agentur „zmyk“ hier an „Arbeit“ abgeliefert haben ist an Stümperhaftigkeit kaum zu überbieten – das bekommen selbst Mediengestalter Lehrlinge im ersten Lehrjahr besser hin. Das Feedback in den Heise-Foren ist ähnlich vernichtend. Bis auf einen einzigen Beitrag sind allen anderen ausschließlich negativ. Und obwohl das Heft statt zuletzt 196 nun 212 Seiten hat, steht viel weniger drin – fleißige Leser haben das mit PDF2TXT bereits auszählen lassen.

Setzen, 6.

Update
Ich erhielt am 20.04. um 17.18Uhr eine E-Mail von c’t-Chefredakteur Johannes Endres. Dieser nimmt seine Artdirectorin ausdrücklich in Schutz. Sie habe das Konzept nicht entwickelt. Es sei in Zusammenarbeit der beiden Chefredakteure mit der Agentur zmyk entstanden. Für die Darstellung als „Verantwortliche“ möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich entschuldigen.

PlayStation 4 und Xbox One – Die Sonderhefte zum Konsolenlaunch

Die neuen Konsolen von Sony und Microsoft stehen in den Startlöchern. Computec schickt gleich drei Hefte an den Start, von IDG kommen zwei. Der Spoiler gleich zu beginn: Tests gibt’s leider keine.

XBG Games „Sonderheft Xbox One“ und play3 „Sonderheft PlayStation 4“

Allgemeines:
Auch wenn vier Wochen zwischen dem Erstverkaufstag beider Sonderhefte liegen, dass der XBG kam bereits am 30. Oktober in den Handel, dass der play3 erschien am 20. November – inhaltlich nehmen sich beide Hefte nichts. Das könnte einfach daran liegen, dass die Xbox One-Ausgabe geschrieben und beim play3-Heft lediglich die systemspezifischen Seiten ausgetauscht wurden. Dummerweise merkt man das gleich im Editorial, wo man sich im PlayStation-Heft die kommenden Xbox One-Hits auf DVD angucken kann…

Beide Hefte kosten jeweils € 5,99, beiden liegt eine DVD bei (XBG 63 Videos, 165 min; play 3 91 Videos, 226 min) und ein Doppelposter (Battlefield 4 und Call of Duty Ghosts). Der Umfang liegt bei jeweils 84 Seiten.

Das Layout ist jeweils gut an das Mutterheft angepasst, sprich die play3-Ausgabe sieht grundsätzlich besser aus als die XBG-Variante. Ebenso ist die Klebebindung beim play3-Sonderheft natürlich wertiger als die Rückstichheftung beim XBG-Sonderheft.

Die verwendeten Bilder unterscheiden sich in beiden Heften maximal durch das Format, sind ansonsten jedoch identisch. So stammt z.B. der selbe Screenshot vom Managermodus in FIFA 14 einmal aus der PS3, einmal aus der Xbox 360-Version

Aufbau:
Der Hefteinstieg beginnt mit einem Fakten-Special zur neuen Konsole. Anschließend folgt ein Überblick über die wichtigsten Titel zum Launch, sowie das Angebot der zum Start verfügbaren PSN- bzw. XBL-Spiele. Weitere Launchtitel, wie Madden 25, frühstückt die play3 auf einer Drittelseite ab, bei der XBG gibt’s ne halbe Seite und damit etwas mehr Text. Der Rest des Heftes ist mit Previews zu Spielen, die irgendwann 2014 erscheinen sollen, gefüllt.

Games Aktuell Guide „Der ultimative Guide zur PS4“

Allgemeines:
Computec ist 2013 auf den Geschmack von Bookazines (monothematische Zeitschriften mit 148 oder mehr Seiten) gekommen und bringt in der Reihe „Computec Edition“ diverse Titel der britischen Verlage Imagine und Future Publishing in den deutschen Handel.
Der Games Aktuell Guide heißt eigentlich „The Complete Guide to PS4“, ist ein Sonderheft des britischen Official PlayStation Magazine und bereits seit Oktober dort erhältlich. In Deutschland kam das Heft erst am 20. November in den Handel.

Das Bookazine hat ein Format von 232x300mm, hat 164 Seiten edles Hochglanzpapier und kostet € 9,99.

Inhaltlich ist es nicht mehr ganz up2date, so gehört das auf 2014 verschobene Driveclub noch immer zu den Launchtitel. Optik und Schreibstil sind sehr britisch – also viele große Bilder und jede Menge Bla-Bla. An der Übersetzung hat u.a. Stephan Freundorfer mitgearbeitet.

Aufbau:
Zum Einstieg gibt’s den berühmten Blick auf die Konsole, bevor man sich durch Seitenweise Previews lesen oder blättern kann. Blättern vor allen Dingen deshalb, weil oft Doppelseitige „Großaufnahmen“ eingestreut werden, die wirklich schön anzuschauen sind und weil man britische Texte echt mögen muss. Ansonsten bekommt man allzu schnell eine Krise vom Geschwurbel über mehrere Seiten mit dem Inhalt von… ja was eigentlich?
Ab Seite 141 verlässt man dann den PS4-Sektor und darf sich auf einer Retrostrecke bis zum Heftende noch mal über einige PS1 und PS2-Knaller freuen, sowie Top 15-Listen zu allen bisherigen Sony-Konsolen.

GamePro NextGen „Das ultimative Kompendium zu PS4/Xbox One“

Allgemeines:
Seit dem 18. November sind die zwei GamePro-Sonderhefte im Handel. Für den Preis von je € 9,99 wechseln die blauen bzw. grünen 164-Seiten-Schinken ihren Besitzer. Die partielle UV-Lackierung des Covers kennt man bereits aus den Sonderheften der GameStar Black-Edition.

Federführend bei beiden Heften ist mit Richard Löwenstein ein alter Bekannter. Ob gewollt oder ungewollt, es schwingt viel Flair seiner letzten Arbeit bei 360 Live und PS3M mit – sei es das Konsequente duzen des Lesers (anstelle des üblichen „ihrzen“), die Erfahrung mit grün in blau umfärben oder einfach die Tatsache, dass er offenbar eine Layouterin gleich mitgebracht hat. Ab und an unterscheidet sich das Textlauf aufgrund einer Kastenhöhe und dem damit verbundenen „passend schummeln“ ein wenig und mal ist ein Tippfehler nur in einem der beiden Hefte korrigiert.

Aufbau:
Los geht’s, wie nicht anders zu erwarten mit dem Blick auf die Konsole. Danach folgt ein Watchdogs-Special, bevor es mit duzenden Vorschauen weitergeht. Nach etwa 100 Seiten folgen zwei Reportagen – einmal zum Spiel Destiny, einmal zum Thema Indiegames. Anschließend widmet man sich dem Blick ins feindliche Lager, bevor noch eine kurze Zubehörübersicht, Releaselisten und ein Glossar folgen.

Fazit:
Der Zwang noch vor Launch am Kiosk liegen zu müssen mit den Heften hat leider dazu geführt, dass keines der Sonderhefte mit Tests aufwarten kann. Dies dürfte vor allem der langen Vorproduktionszeit der teils sehr umfangreichen Heften geschuldet sein. Dass man vor Erscheinen der Konsolen Tests bringen kann – in gedruckter Form – zeigt Computec ironischer Weise selber mit ihrem Heft X3. Dort sind Battlefield 4 und CoD: Ghosts bereits in ihrer Xbox One-Version im Test. Das Heft erschien ebenfalls am Mittwoch.

Level 1 – Vom Phantom zu free2read

Inzwischen ist es gut drei Jahre her, dass ich das letzte Mal über das 2006 gestartete Spielemagazin Level 1 von Raptor Publishing geschrieben habe. An der Thematik „Nicht erhältlich“ hat sich seit dem nicht allzu viel getan. Immer mal wieder tauchen neue Cover im Onlineshop des Verlages auf – Oft direkt mit dem Hinweis „Sold out“, obwohl nie am Kiosk erschienen, nie in den Schwesterpublikationen beworben und nie im Onlineshop erhältlich gewesen.

In mal mehr, mal weniger unregelmäßigen Abständen ist ein Heft dann doch direkt zu beziehen. So konnte man über die Jahre verfolgen, dass aus einem extrem stylishen Spieleheft mit etwas Inhalt ein hässliches was auch immer wurde – wahrscheinlich um den Produktionsaufwand auf ein Minimum herunterzufahren. Einst wurde das Layout von einer Diplomdesignerin entworfen, inzwischen lässt man wohl eher einen Dreijährigen mit ein paar digitalen Buntstiften malen und guckt, was passiert. Die letzten Spuren des ursprünglichen Designs fegte man 2011 mit einer Logo-Änderung beiseite, gleichzeitig stieg der Preis auf € 3,90 für 68 Seiten. Wer das kaufen sollte, wusste man wohl selbst nicht so recht und stellte in dieser Zeit konsequent keine fast Ausgaben mehr rein. So ist Ausgabe Nummer 38 bis heute verschollen. Nr. 35 tauchte dieses Jahr das erste Mal auf, obwohl angeblich seit Dezember 2011 im Shop befindlich.

Im September 2012 und dem bevorstehendem Wii-u-Launch kam wieder ein bisschen Leben in die Geschichte. Der zumindest auf dem Papier existierende Auslandsvertrieb wurde eingestellt und der Heftpreis auf 1,90 gesenkt. Damit kostete das Heft sogar einige Cent weniger als zum Start. Im Gegenzug ging der Umfang auf 36 Seiten runter. Gefühlt hat man das nicht direkt, da das Inhaltspapier die Umschlagsdicke so mancher Zeitschrift locker schlägt. Drei Ausgaben hat man besagte Praxis durchgehalten, wobei die dritte – Nummer 41 – schon wieder den Status „verschollen“ trägt.

Free2read
2013 fasste man sich nun ans Herz und erlöste Level 1 von ihrem Phantomdasein. Seit dem hat das Heft nicht nur eine Facebookseite, sondern ist auch wieder regulär und regelmäßig im Onlineshop erhältlich. Das Logo wurde erneut überarbeitet und der alibimäßig aufgedruckte EAN-Code vom Titel ist verschwunden. Gleichzeitig prangt auf dem Titel ein großer „Free2read“-Button.
Laut Editorial „Hi Gamerz!“ [sic] solle man sich nicht wundern, man habe als Leser nicht größere Hände bekommen, sondern das Heft sei auf „Pocket-Size“ geschrumpft. Denn kleiner bedeute günstiger und in dem Falle sogar kostenlos. Und so könne man die frohe Kunde „Wir lieben Games“ noch weiter streuen. Der Umfang wurde übrigens wieder auf 68 Seiten angehoben.

Wie „free2read“ gehen soll [wo gibt es das Magazin?], behielt man zunächst lieber für sich. Immerhin kann man die neuen Ausgaben nun für 1 Euro inkl. Versandkosten im Verlagsshop erwerben.
Seit heute gibt es über die Ostertage bis zum 1. April ein kleines Goodie: Man kann sich die erste Ausgabe des free2read-Konzepts kostenlos unter www.raptor.de/getit/lv1.pdf herunterladen (PDF, 9,3MB; besteht nur aus stark komprimierten JPGs) und selbst ein Urteil über das Heft bilden.

R.I.P. PC Action – Angesehen Ausgabe 1/2013

Seit heute liegt die neue Ausgabe der PC Action im Handel, Heft 1/2013, Ausgabe Nummer 204. Was gibt es über die letzte Ausgabe zu sagen? Immerhin Computec beendet das Kapitel mit einem Gewissen Anstand, soll heißen, bereits auf dem Titel, aber auch im Editorial und in der „Vorschau“ wird drauf hingewiesen, dass das Januar-Heft die letzte Ausgabe ist. Alle Redakteure dürfen sich brav auf der Teamseite verabschieden und den Lesern noch schnell die PC Games ans Herz legen, das war’s dann aber auch. Magere 116 Seiten Umfang gibt’s noch, darin enthalten sind sechs ganzseitige Anzeigen (vermutlich einige Gegengeschäfte), ne Drittelseite und eine halbe Seite Werbung, sowie sieben einseitige Eigenanzeigen.

Ein Special zum Abschied, wie ein Rückblick auf Höhen und Tiefen der fast siebzehnjährigen Geschichte gibt es nicht. Der Inhalt ist genauso belanglos, wie die Monate zuvor. Vielleicht ist das aber auch einfach nur konsequent. Die PC Action starb die letzten zwei Jahre einen langsamen und qualvollen Tod. War sie doch eh nur noch eine umgelabelte PC Games ohne eigene Seele. Die recht aufwendig gemachte Web-2.0-Webseite wurde schon vor gefühlten Ewigkeiten wieder eingestampft, das Forum quasi wortlos geschlossen und zu guter Letzt das Kommentarsystem der Webseite auf Facebook umgestellt.

PC Action hat seit ihrer Konzeptionsänderung mit Ausgabe 02/1999 zum Krawall-Magazin stark polarisiert. Zahlreichen Foren-, Blog- und Webseitenkommentaren ist zu entnehmen, dass dieses Image dem Heft bis zur letzten Ausgabe anhaftet. Das ist in mehrerlei Hinsicht interessant. Es zeigt einmal mehr, dass es „für den ersten Eindruck keine zweite Chance“ gibt. Es zeigt, dass das Vorurteil des pubertären Spielemagazins von seinen Kritikern mit viel Liebe und Hingabe über Jahre gepflegt wurde, ohne sich mal die Mühe zu machen es auf seinen Bestand zu überprüfen.

Einen ganz massiven Vorwurf kann man in diesem Punkt auch Computec machen. Denn so, zumindest nach offiziellem Sprachgebrauch, beschnitt man die PC Action um ihren polarisierenden Humorteil, um sie massenkompatibler zu machen und so letztlich langfristig ihr überleben zu sichern. Blöd nur, wenn außer den Stammlesern, die die PC Action kauften, weil sie eben war wie sie war, niemand sonst was davon mitbekommen hat. Kommunikation zur Neuausrichtung für den Arsch und damit hätte man sich diesen Zirkus auch sparen können.

PC Action hatte ein Alleinstellungsmerkmal und dieses hat man ihr genommen. Danach hatte sie schlicht keine Existenzberechtigung mehr. Man braucht als Verlag nicht zwei identisch ausgerichtete Hefte. Die Auflage ist nach der Konzeptänderung schlicht zerbröselt und im Editorial gibt man letztlich auch indirekt zu, dass die seit IVW-Austritt kommunizierte Auflage von stabil 28.000 damit nicht gestimmt haben dürfte „stetig sinkende Verkaufszahlen im Einzelhandel“.

Die „So testen wir“-Seite mit den Vorsätzen der Redaktion spricht im übrigen auch Bände, denn unterhalten hat der Schreibstil seit der Konzeptänderung nicht mehr. Noch bitterer ist im übrigen nur noch der Hinweis, dass auf den Leserbriefseiten beim Beantworten der abgedruckten Briefe keine Gnade gekannt wird – denn diese Seiten wurden längst gestrichen.

Ich bin kein PC-Action-Stammleser gewesen, möchte mich an dieser Stelle aber bei Jo und Ralph für zwei Staffeln „PC Action kocht“ bedanken – ihr habt mich auf den DVDs köstlich unterhalten. *verbeug*

Computer Bild Spiele Relaunch 1/2013 – Kaufen, lesen, siegen?

Der Jahreswechsel steht an, es wird kalt, dunkel und ungemütlich – der Weihnachtsstress ist mit Erscheinen der Dezember-Ausgaben im November abgeschlossen – Zeit das Heft zu überarbeiten. Oder so. Vor uns liegt nun die Nummer 1/2013 der Computer Bild Spiele. Dick und fett weist „ALLES NEU“ dezent auf den Relaunch hin.

Nach dem man die letzten Jahre, genauer genommen seit 12/2009, versucht hat mit einem Titelmotiv um Leser zu werben statt mit der Spielevollversion, dreht man nun die Uhr zurück und rückt die Heftbeilage wieder penetrant in den Vordergrund. Die Spielethemen werden in drei Kästchen, wie man das vom PC-Action-Cover kennt, präsentiert. Nicht fehlen darf auch der wiederentdeckte Heftslogan „Kaufen, lesen, siegen!“ – vor allem in der Vergangenheit aus Radio- und TV-Spots bekannt – dezent präsentiert mit dem Platzbedarf einer EC-Karte.

Weil die Papierpreise so drastisch gestiegen sind und Strom ja auch ganz dolle teurer wurde, mussten die Heftpreise um 30 Cent erhöht werden – nicht etwa, weil innerhalb von drei Jahren 45% der Käufer abhanden gekommen sind. Apropos Abhanden gekommen, Einleger für CD- und DVD-Hülle wurden mit dieser Ausgabe ebenfalls wegrationalisiert.

Alles neu – Versprechen gehalten
Zumindest diese Ankündigung ist kein leeres Versprechen gewesen, denn umgestaltet hat man eine Menge. Das Editorial quetscht sich nun auf Seite 3 in die Randspalte neben den Datenträgern statt ins Inhaltsverzeichnis. Das Inhaltsverzeichnis verzichtet nun auf die linke Teaserseite und ist nun auch visuell einheitlich auf zwei Seiten aufgezogen. Dadurch denkt man in der Tat, es gäbe mehr Inhalt, auch wenn weniger drinsteckt, doch dazu später mehr. Rumgeaxtet hat man bei den Heftrubriken, es gibt nur noch vier – News, Tests, Interaktiv und Community. Alles, was sich bisher unter Hardware, Service, Tipps&Tricks etc. befand wurde eingegliedert oder gestrichen.

Neues Layout – Einstieg
Brandneu heißt jetzt News, ist unübersichtlich, wie bisher auch und beinhaltet in der aktuellen Ausgaben einen großen Schwanzvergleich von PS3 und Xbox 360, der 3:2 für Sony ausgeht. Ups, gespoilert. Die Releaseliste frisst nun eine Doppelseite, ohne mehr Spiele aufzulisten, und ist vom Newsteil ans Heftende gewandert und gehört nun zur Rubrik Community. Die Verkaufscharts sind nun Teil der Rubrik Tests (bisher Brandneu), nehmen nun zwei statt einer Seite ein, beinhalten statt zehn nun aber nur noch fünf Top-Spiele pro System (Ausnahme PC, da bleiben’s zehn). Thema kürzen: Es gibt keine Hardwarerubrik mehr, diese ist ja nun Bestandteil von Tests. Die bunte Doppelseite mit Hardwaremeldungen ist demnach natürlich gestrichen. Die Hardwarebestenlisten nennen sich nun Top-Produkte. Statt mehreren Hundert Produkten aus 20 Kategorien gibt es nun nur noch 40 Produkte aus sechs Bereichen.

Neues Layout – Tests
Vorbei sind die Zeiten der grausigen Verläufe um die Testkästen, die auf dem billigen fürs Tiefdruckverfahren genutztem Papier noch ein bisschen hässlicher aussahen als sie es eh schon waren. Vorbei ist auch die Zeit des Pro&Contra-Kastens mit Stichpunkten. Wer keinen Bock hat den Test zu lesen kann nun auch einfach einen Blick in die Randspalte werfen – im Kasten „Testfakten“ sind drei Stichpunkte zum Spiel ausführlicher beschrieben.

Der Wertungskasten wurde nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich überarbeitet. Die Gewichtung der Einzelpunkte ist rausgeflogen, stattdessen gibt es zu den Einzelpunkten kurze Sätze. Benotet wird nun von 1-6 in 0,5er Schritten. So was, wie eine Mehrspielernote von 1,81 bei einer Gewichtung von 25% Mehrspieler und 75% Singleplayernote, wobei die 25% der Mehrspielernote 6,25% der Spielspaßnote ausmachen, die wiederum 75% der Gesamtnote ausmacht, gibt es nicht mehr. Einzig die bekannte Endnote mit zwei Nachkommastellen ist geblieben.

Die Aufdröselung, wie die Einzelpunkte nun gewichtet werden, bekommt man nicht mehr zu Gesicht. Wobei, doch. Im CoD Black Ops2-Test (4 Seiten) gibt es einen doppelt so großen Wertungskasten, der das aufschlüsselt. In allen anderen Tests gibt diese nicht – auch nicht im 4(+2 Seiten Tipps)-Test von Far Cry 3. Beide Shooter-Tests fallen übrigens völlig aus dem Rahmen, da sie keinen Fließtext besitzen. Far Cry ist ein Tagebuch, CoD ein Kastenhaufen. Einzelwertungen für die unterschiedlichen Systeme gibt’s wohl auch nicht mehr, jedenfalls befindet sich jetzt alles in einem Wertungskasten.

Was gibt’s zu den Tests sonst noch zu sagen? Diese sind deutlich heller als in den vorherigen Ausgaben, es gibt auch weiße bzw. keine Hintergründe. Interessant ist auch der Dauertest von Assassin’s Creed 3. Das „Lust-o-Meter“ erinnert verdächtig an die PC Games „Motivationskurve“. Weg ist die separate Mobile Gaming-Rubrik. Neu sind die „Drei-Punkte-Tests“ – das sind Halbseiter mit Wertungen für Spielspaß, Grafik und Steuerung im 5er Sternchen-System. Kommen wir zu meinem Lieblingsthema dem Streichen: Die Downloadspiele-Rubrik ist gestrichen.

Interaktiv
Klingt toll die Rubrik oder? Was steckt denn drin? Der DVD-Inhalt. Statt auf sieben jetzt auf 13 Seiten.

Community
Dieser Teil wurde deutlich aufgewertet, bestand er bislang nur aus einer Seite Leserbriefen, angereichert mit ein paar Facebookkommentaren. Leserbriefe gibt es immer noch, jetzt kommen dazu noch Meinungsschnipsel von Twitter und aus dem Forum. Sowie eine Pro&Contra-Diskussion über Achievements. Außerdem gibt es ein Thema des Monats, dieses ist aktuell die Half-Life-Mod.

Fazit
Ehrlicherweise muss ich zugeben, ich bin nicht die Zielgruppe der Computer Bild Spiele und ich war es auch nie. Trotzdem fand ich den letzten Relaunch sehr gelungen, da man das Heft im Rahmen der Möglichkeiten recht hübsch und informativ gemacht hat und den typischen Computer-Bild-Staub beiseite gefegt hat. Ehrlich muss ich aber auch sagen, dass ich beim 1/13er-Relaunch das Gefühl nicht loswerde, es ging einzig und allein darum den Produktionsaufwand zu reduzieren. Das ist angesichts des im Laufe der Zeit geschrumpften Teams nachvollziehbar, für den Leser aber sehr schade, da wirklich viele Informationen verloren gegangen sind und das Themenspektrum des Heftes deutlich geschrumpft ist.