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Relaunch 09/2016 – Heise fährt c’t ohne Not gegen die Wand (Update)

Zeitschriften-Relaunches sind eine ganz schön gefährliche Sache, denn die Erfahrung hat gezeigt: Nur selten ist ein Heft danach optisch und inhaltlich auch wirklich besser. Egal ob GamePro, PC Action, PC Powerplay oder Computer Bild Spiele – nach jeder Komplettüberarbeitung wurden die Hefte entkernt und ihrer Seele beraubt. Unter dem Deckmantel der Modernisierung wurden vor allem der Arbeits- und Produktionsaufwand an den Magazinen so drastisch reduziert, dass auch der letzte Käufer wusste, es handelt sich bloß um Sparmaßnamen. Das hat den weiteren Niedergang der Hefte dann nur noch beschleunigt.

Bisherige leuchtende Ausnahme in diesem Zirkus: Die c’t aus dem Heise Verlag. Die letzte optische Überarbeitung der c’t ist 13 Jahre her – damit wirkte das Magazin zwar vielleicht ein wenig angestaubt und wie aus der Zeit gefallen, lief damit aber erstaunlich gut.

Marktentwicklung
Das gesamte Segment der Computerzeitschriften ist stark schrumpfend. Innerhalb von nur fünf Jahren verlor beispielweise die Chip 46%, PC Magazin und PC Go 65% und die PC Welt sogar 71% ihrer Auflage. Der vergleichsweise geringe Verlust der Chip bzw. der große der übrigen Mitbewerber beruht darauf, dass erstere immer noch die Auflagenzahlen mit Bordexemplaren schönt, wohingegen sich der Rest davon verabschiedet hat.

Axel Springers Computer Bild verlor hingegen echte 54% an Auflage, während es bei Heises c’t bloß 21% waren – bei beiden findet Auflagendoping nur im sehr geringem Maße oder gar nicht statt. Im 4. IVW-Quartal 2015 kam es nun zu folgender Situation: Die c’t verlor wieder ihre gewohnten 3% an Käufern, während die Computer Bild mit fast 20% wieder ordentlich Federn lassen musste.
Damit hatte man auf einmal das Kuriosum, dass die c’t mehr Hefte verkauft als die Computer Bild, rechnet man nur die harten Auflagenzahlen Abo+Kioskverkauf zusammen: 253.934 verkaufte Exemplare bei der c’t gegen 253.114 Exemplare bei der Computer Bild. Ohne nur einen einziger Käufer zu gewinnen hat man es mit stringenter Heftlinie geschafft, Europas größtes Computermagazin zu werden. Eigentlich eine ganz schön komfortable Situation.

Ohne Not Probleme geschaffen
Letztendlich hätte man mit der Situation gut leben können, trotz der Auflagenverluste. Mit c’t Fotografie, Mac&i, und c’t Make stellte man dem Hauptheft in den letzten Jahre drei 9,90 Euro teure Schwesterpublikationen zur Seite. Gleichzeitig hat Heise eine so gute Reputation, dass sie sich es leisten können Anzeigenkunden ans Bein zu pinkeln und nur für ihre Leser zu schreiben. Herz, was willst du mehr?

Für das, was die beiden Chefredakteure zusammen mit der Hamburger Hipster-Agentur „zmyk“ verbrochen haben, braucht man eigentlich nicht viele Worte. „Strg+Z“ oder „Zurück zur letzten Version“ genügen. Aber wo bliebe denn da der Spaß?

Das Relaunch-Desaster
Stilistisch hat sich der Titel nicht verändert, eine bunte Farbe plus ein typisches c’t-Motiv. Allerdings gibt es neue Schriften. Egal wie lange man das Titelthema „Weg von Windows 10“ auch betrachtet, man kommt einfach nicht darüber hinweg zu glauben, die Schrift wäre in der Höhe ordentlich zusammengestaucht worden.

Das Editorial ist seit jeher in einer Monospace-Schriftart verfasst, als hätte man den Text auf einer Schreibmaschine verfasst. Bereits hier kam man nicht drum herum einen neuen Font zu nehmen. Dieser ist jetzt serifenlos und wenn man so möchte, das Gegenteil von dem, was man im Rest des Heftes abgezogen hat. Vor allem ist er eines: Dünner und noch schlechter lesbar.

Wenn sich das Inhaltsverzeichnis nicht bereits auf dem Cover befindet, sollte man dieses schön sauber auf einer Doppelseite gestalten, sämtliche Themen sauber auflisten und zusätzliche noch die Topthemen anfeaturen, damit man Lust auf mehr bekommt. Also genauso machen, wie es bis Ausgabe 08/2016 der Fall war. In der äußeren Spalte auf beiden Seiten die Gesamtauflistung, in den mittleren zusätzlich die Hauptthemen. Jetzt ist alles hintereinander weg aufgelistet und man hat das Gefühl, die drei angeteaserten Hauptthemen sind nur noch irgendwie mit reingestopft worden, um irgendwie den Platz zu füllen. Es lädt jedenfalls nicht mehr zum Stöbern ein, sondern will nur noch überblättert werden – leisten wir dem Drang doch mal Folge.

Beim Newsteil angekommen drängt sich sofort die brennende Frage auf, was denn zur Hölle hier passiert ist. Dass er ein wenig stärker bebildert ist, lässt sich durchaus verschmerzen, auch wenn dadurch natürlich ein wenig Text flöten geht. Allerdings möchte man beim neuen Artikeleinstiegsdesign gleich selbst Hand anlegen und als allererstes den Rahmen des Einstiegsbildes aufziehen. Das ist ein wenig nach Innen eingerückt, was irgendwie falsch und nicht nach gewolltem Designelement aussieht. Blättert man weiter im Heft, verhärtet sich dieser Gedanke, da kein System existiert wie weit die Bilder vom Rand entfernt sind und permanent Springen. Man könnte fast meinen, man hätte ohne Musterseiten gearbeitet. Anfängerfehler.

Je weiter man durchs Heft blättert, desto mehr drängt sich die Frage auf, ob die Gestalter des Layouts jemals etwas von „Absatzformaten“ gehört hat. Headline und Subline-Texte ändern sich permanent in der Größe, jedoch ohne den Eindruck zu erwecken, es wäre ein gewolltes Gestaltungsmittel. Der Platz bestimmt, wie etwas aussieht. Artikelgestaltung aus einem Guss ist ja so spießig.

Das Prozessorgeflüster ist hat einen gefühlt in 10% Cyan getauchten Hintergrund bekommen, der voll nach 90er Jahren aussieht – nur noch ein Verlauf nach Weiß fehlt. Nebenbei gibt es wieder eine völlig sinnfrei ins Heft eingerückte Headline und darunter einen fast faustgroßen Weiß… ähm Blauraum zum Atmen, bevor der Artikel anfängt.

Bisher wechselten sich im Newsteil ein drei- und vierspaltiges Layout ab. Das hatte den Vorteil, dass man relativ problemlos jedes Anzeigenformat unter bekam. Jeder der schon mal das „Vergnügen“ hatte ein zweispaltiges Layout zu setzen, weiß wie das aussieht, wenn eine drei Spalten breite Anzeige reinkommt – richtig scheiße. Auf Seite 27 und 39 findet man solche Lehrbuchbeispiele.

Dass man jetzt auf ein zwei bzw. dreispaltiges Newslayout setzt, führt neben dem negativen optischen Aspekt leider auch zu einem Inhaltlichen. Es passen schlicht weniger Artikel auf die Seite, die dezent größere Schrift tragen ihr Übriges dazu bei. Die großen Weißräume zwischen den Meldungen, ich vergaß – die Luft zum Atmen, sorgen ebenfalls für Informationsverlust. Gleichzeitig ist es optisch so schlecht gemacht, dass man neuerdings Trennlinien einsetzen muss, da die Meldungen sonst trotz der gigantischen Abstände ineinander verfließen.

Die Kurztests, die bisher informativer waren als bei so manchem Heft das Titelthema verdienen nun endlich ihren Namen – sie sind viel kürzer. Endlich mehr Platz für Bilder und nicht für diesen doofen Text.

Eine Frage des Einstiegsbildes
Bei Produkttests setzte man bisher auf freigestellte, d.h. von ihrem Hintergrund befreite, Produktfotos. Das war ansehnlich und einheitlich. Was man jetzt gemacht hat, entspricht keiner klaren Linie mehr. Mal sieht man den hellgrauen Original-Fotohintergrund, mal hat man wiederum sich die Mühe gemacht ein Produkt freizustellen, um es dann vor dunkelgrau, Windows 95 grün oder Windows 95 grün, Farbton 30% zu setzen.

Gipfel von Hässlichkeit und Platzverschwendung ist allerdings Seite 76-77. Einen zweiseitigen Artikeleinstieg, auf dem lediglich Headline, Subline und die Themen der kommenden Seiten aufgelistet sind, hat man in der c’t noch nicht gesehen. Und vor allen Dingen nicht gewollt. Nebenbei kommt hier auch richtig das neue Einstiegsbilddesign zum Tragen. Bisher gab es leicht trashig aussehende, aber stets liebevoll und individuell gestaltete 3D-Renderings im unverwechselbaren c’t-Design. Diese waren sogar so erfolgreich, dass sie ganze Kalender zierten.
Jetzt sind die Artikelaufmacher im Look der verhassten Windows 8-Kacheloptik gestaltet. Das sieht nicht nur scheiße aus, sondern ist auch eine enorme Zeitersparnis. So lässt sich ein Einstiegsbild für einen Artikel in weniger als fünf Minuten gestalten – es dauert nicht mehr Stunden.

Eine Frage der Details
Neu ist z. B. eine kleine Spielerei unter den Seitenzahlen. Bei langen Artikel hat man hier kleine Fortschrittkästchen, die Anzeigen, wie viele Doppelseiten man noch vor sich hat. Ganz nett die Idee, wenn’s auch nicht wirklich was bringt und fehleranfällig ist. Furchtbar sind auch bei Produktvergleichstests die neuerdings mit grau hinterlegten Kästen, die dem Auge wohl als Orientierung dienen sollten. Davon ab, dass es altbacken wirkt: Vor dem neuen Layout hat das Auge keine Orientierungshilfe benötigt, da es sich optisch von alleine ergeben hat.
„Hübsch“ sind auch die Buchkritik-Seiten geworden. Statt drei einspaltiger Kritiken befinden sich nun nur noch zwei im dreispaltigen Layout auf einer Seite. Man hat also das Kunststück fertig gebracht trotz kleinerer Bilder durch die neue Anordnung 33% weniger Inhalt auf einer Seite unterzubringen – Respekt, das muss man erstmal hinbekommen.

Ich habe immer sehr bedauert, dass Heise nie eine „c’v“ – Magazin für Computer und Videospiele gemacht hat. Jetzt im neuen Layout bekommen die Spieletests endlich etwas mehr Platz eingeräumt. Zumindest in der Theorie, denn statt Halbseiter gibt es jetzt Einseiter. In der Praxis gibt es neuerdings eine fast halbe Seite Einstiegsbild, sodass am Ende vielleicht drei Sätze gewonnen wurden.

Selbst die Vorschauseite hat man in der optischen Gestaltung vergeigt – hier ist der Text noch breiter als bei den zweispaltigen Standardseiten – von komfortablem Lesen keine Spur.

Fazit
Was die c’t-Chefredakteure und die Agentur „zmyk“ hier an „Arbeit“ abgeliefert haben ist an Stümperhaftigkeit kaum zu überbieten – das bekommen selbst Mediengestalter Lehrlinge im ersten Lehrjahr besser hin. Das Feedback in den Heise-Foren ist ähnlich vernichtend. Bis auf einen einzigen Beitrag sind allen anderen ausschließlich negativ. Und obwohl das Heft statt zuletzt 196 nun 212 Seiten hat, steht viel weniger drin – fleißige Leser haben das mit PDF2TXT bereits auszählen lassen.

Setzen, 6.

Update
Ich erhielt am 20.04. um 17.18Uhr eine E-Mail von c’t-Chefredakteur Johannes Endres. Dieser nimmt seine Artdirectorin ausdrücklich in Schutz. Sie habe das Konzept nicht entwickelt. Es sei in Zusammenarbeit der beiden Chefredakteure mit der Agentur zmyk entstanden. Für die Darstellung als „Verantwortliche“ möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich entschuldigen.

PlayStation 4 und Xbox One – Die Sonderhefte zum Konsolenlaunch

Die neuen Konsolen von Sony und Microsoft stehen in den Startlöchern. Computec schickt gleich drei Hefte an den Start, von IDG kommen zwei. Der Spoiler gleich zu beginn: Tests gibt’s leider keine.

XBG Games „Sonderheft Xbox One“ und play3 „Sonderheft PlayStation 4“

Allgemeines:
Auch wenn vier Wochen zwischen dem Erstverkaufstag beider Sonderhefte liegen, dass der XBG kam bereits am 30. Oktober in den Handel, dass der play3 erschien am 20. November – inhaltlich nehmen sich beide Hefte nichts. Das könnte einfach daran liegen, dass die Xbox One-Ausgabe geschrieben und beim play3-Heft lediglich die systemspezifischen Seiten ausgetauscht wurden. Dummerweise merkt man das gleich im Editorial, wo man sich im PlayStation-Heft die kommenden Xbox One-Hits auf DVD angucken kann…

Beide Hefte kosten jeweils € 5,99, beiden liegt eine DVD bei (XBG 63 Videos, 165 min; play 3 91 Videos, 226 min) und ein Doppelposter (Battlefield 4 und Call of Duty Ghosts). Der Umfang liegt bei jeweils 84 Seiten.

Das Layout ist jeweils gut an das Mutterheft angepasst, sprich die play3-Ausgabe sieht grundsätzlich besser aus als die XBG-Variante. Ebenso ist die Klebebindung beim play3-Sonderheft natürlich wertiger als die Rückstichheftung beim XBG-Sonderheft.

Die verwendeten Bilder unterscheiden sich in beiden Heften maximal durch das Format, sind ansonsten jedoch identisch. So stammt z.B. der selbe Screenshot vom Managermodus in FIFA 14 einmal aus der PS3, einmal aus der Xbox 360-Version

Aufbau:
Der Hefteinstieg beginnt mit einem Fakten-Special zur neuen Konsole. Anschließend folgt ein Überblick über die wichtigsten Titel zum Launch, sowie das Angebot der zum Start verfügbaren PSN- bzw. XBL-Spiele. Weitere Launchtitel, wie Madden 25, frühstückt die play3 auf einer Drittelseite ab, bei der XBG gibt’s ne halbe Seite und damit etwas mehr Text. Der Rest des Heftes ist mit Previews zu Spielen, die irgendwann 2014 erscheinen sollen, gefüllt.

Games Aktuell Guide „Der ultimative Guide zur PS4“

Allgemeines:
Computec ist 2013 auf den Geschmack von Bookazines (monothematische Zeitschriften mit 148 oder mehr Seiten) gekommen und bringt in der Reihe „Computec Edition“ diverse Titel der britischen Verlage Imagine und Future Publishing in den deutschen Handel.
Der Games Aktuell Guide heißt eigentlich „The Complete Guide to PS4“, ist ein Sonderheft des britischen Official PlayStation Magazine und bereits seit Oktober dort erhältlich. In Deutschland kam das Heft erst am 20. November in den Handel.

Das Bookazine hat ein Format von 232x300mm, hat 164 Seiten edles Hochglanzpapier und kostet € 9,99.

Inhaltlich ist es nicht mehr ganz up2date, so gehört das auf 2014 verschobene Driveclub noch immer zu den Launchtitel. Optik und Schreibstil sind sehr britisch – also viele große Bilder und jede Menge Bla-Bla. An der Übersetzung hat u.a. Stephan Freundorfer mitgearbeitet.

Aufbau:
Zum Einstieg gibt’s den berühmten Blick auf die Konsole, bevor man sich durch Seitenweise Previews lesen oder blättern kann. Blättern vor allen Dingen deshalb, weil oft Doppelseitige „Großaufnahmen“ eingestreut werden, die wirklich schön anzuschauen sind und weil man britische Texte echt mögen muss. Ansonsten bekommt man allzu schnell eine Krise vom Geschwurbel über mehrere Seiten mit dem Inhalt von… ja was eigentlich?
Ab Seite 141 verlässt man dann den PS4-Sektor und darf sich auf einer Retrostrecke bis zum Heftende noch mal über einige PS1 und PS2-Knaller freuen, sowie Top 15-Listen zu allen bisherigen Sony-Konsolen.

GamePro NextGen „Das ultimative Kompendium zu PS4/Xbox One“

Allgemeines:
Seit dem 18. November sind die zwei GamePro-Sonderhefte im Handel. Für den Preis von je € 9,99 wechseln die blauen bzw. grünen 164-Seiten-Schinken ihren Besitzer. Die partielle UV-Lackierung des Covers kennt man bereits aus den Sonderheften der GameStar Black-Edition.

Federführend bei beiden Heften ist mit Richard Löwenstein ein alter Bekannter. Ob gewollt oder ungewollt, es schwingt viel Flair seiner letzten Arbeit bei 360 Live und PS3M mit – sei es das Konsequente duzen des Lesers (anstelle des üblichen „ihrzen“), die Erfahrung mit grün in blau umfärben oder einfach die Tatsache, dass er offenbar eine Layouterin gleich mitgebracht hat. Ab und an unterscheidet sich das Textlauf aufgrund einer Kastenhöhe und dem damit verbundenen „passend schummeln“ ein wenig und mal ist ein Tippfehler nur in einem der beiden Hefte korrigiert.

Aufbau:
Los geht’s, wie nicht anders zu erwarten mit dem Blick auf die Konsole. Danach folgt ein Watchdogs-Special, bevor es mit duzenden Vorschauen weitergeht. Nach etwa 100 Seiten folgen zwei Reportagen – einmal zum Spiel Destiny, einmal zum Thema Indiegames. Anschließend widmet man sich dem Blick ins feindliche Lager, bevor noch eine kurze Zubehörübersicht, Releaselisten und ein Glossar folgen.

Fazit:
Der Zwang noch vor Launch am Kiosk liegen zu müssen mit den Heften hat leider dazu geführt, dass keines der Sonderhefte mit Tests aufwarten kann. Dies dürfte vor allem der langen Vorproduktionszeit der teils sehr umfangreichen Heften geschuldet sein. Dass man vor Erscheinen der Konsolen Tests bringen kann – in gedruckter Form – zeigt Computec ironischer Weise selber mit ihrem Heft X3. Dort sind Battlefield 4 und CoD: Ghosts bereits in ihrer Xbox One-Version im Test. Das Heft erschien ebenfalls am Mittwoch.

Level 1 – Vom Phantom zu free2read

Inzwischen ist es gut drei Jahre her, dass ich das letzte Mal über das 2006 gestartete Spielemagazin Level 1 von Raptor Publishing geschrieben habe. An der Thematik „Nicht erhältlich“ hat sich seit dem nicht allzu viel getan. Immer mal wieder tauchen neue Cover im Onlineshop des Verlages auf – Oft direkt mit dem Hinweis „Sold out“, obwohl nie am Kiosk erschienen, nie in den Schwesterpublikationen beworben und nie im Onlineshop erhältlich gewesen.

In mal mehr, mal weniger unregelmäßigen Abständen ist ein Heft dann doch direkt zu beziehen. So konnte man über die Jahre verfolgen, dass aus einem extrem stylishen Spieleheft mit etwas Inhalt ein hässliches was auch immer wurde – wahrscheinlich um den Produktionsaufwand auf ein Minimum herunterzufahren. Einst wurde das Layout von einer Diplomdesignerin entworfen, inzwischen lässt man wohl eher einen Dreijährigen mit ein paar digitalen Buntstiften malen und guckt, was passiert. Die letzten Spuren des ursprünglichen Designs fegte man 2011 mit einer Logo-Änderung beiseite, gleichzeitig stieg der Preis auf € 3,90 für 68 Seiten. Wer das kaufen sollte, wusste man wohl selbst nicht so recht und stellte in dieser Zeit konsequent keine fast Ausgaben mehr rein. So ist Ausgabe Nummer 38 bis heute verschollen. Nr. 35 tauchte dieses Jahr das erste Mal auf, obwohl angeblich seit Dezember 2011 im Shop befindlich.

Im September 2012 und dem bevorstehendem Wii-u-Launch kam wieder ein bisschen Leben in die Geschichte. Der zumindest auf dem Papier existierende Auslandsvertrieb wurde eingestellt und der Heftpreis auf 1,90 gesenkt. Damit kostete das Heft sogar einige Cent weniger als zum Start. Im Gegenzug ging der Umfang auf 36 Seiten runter. Gefühlt hat man das nicht direkt, da das Inhaltspapier die Umschlagsdicke so mancher Zeitschrift locker schlägt. Drei Ausgaben hat man besagte Praxis durchgehalten, wobei die dritte – Nummer 41 – schon wieder den Status „verschollen“ trägt.

Free2read
2013 fasste man sich nun ans Herz und erlöste Level 1 von ihrem Phantomdasein. Seit dem hat das Heft nicht nur eine Facebookseite, sondern ist auch wieder regulär und regelmäßig im Onlineshop erhältlich. Das Logo wurde erneut überarbeitet und der alibimäßig aufgedruckte EAN-Code vom Titel ist verschwunden. Gleichzeitig prangt auf dem Titel ein großer „Free2read“-Button.
Laut Editorial „Hi Gamerz!“ [sic] solle man sich nicht wundern, man habe als Leser nicht größere Hände bekommen, sondern das Heft sei auf „Pocket-Size“ geschrumpft. Denn kleiner bedeute günstiger und in dem Falle sogar kostenlos. Und so könne man die frohe Kunde „Wir lieben Games“ noch weiter streuen. Der Umfang wurde übrigens wieder auf 68 Seiten angehoben.

Wie „free2read“ gehen soll [wo gibt es das Magazin?], behielt man zunächst lieber für sich. Immerhin kann man die neuen Ausgaben nun für 1 Euro inkl. Versandkosten im Verlagsshop erwerben.
Seit heute gibt es über die Ostertage bis zum 1. April ein kleines Goodie: Man kann sich die erste Ausgabe des free2read-Konzepts kostenlos unter www.raptor.de/getit/lv1.pdf herunterladen (PDF, 9,3MB; besteht nur aus stark komprimierten JPGs) und selbst ein Urteil über das Heft bilden.

R.I.P. PC Action – Angesehen Ausgabe 1/2013

Seit heute liegt die neue Ausgabe der PC Action im Handel, Heft 1/2013, Ausgabe Nummer 204. Was gibt es über die letzte Ausgabe zu sagen? Immerhin Computec beendet das Kapitel mit einem Gewissen Anstand, soll heißen, bereits auf dem Titel, aber auch im Editorial und in der „Vorschau“ wird drauf hingewiesen, dass das Januar-Heft die letzte Ausgabe ist. Alle Redakteure dürfen sich brav auf der Teamseite verabschieden und den Lesern noch schnell die PC Games ans Herz legen, das war’s dann aber auch. Magere 116 Seiten Umfang gibt’s noch, darin enthalten sind sechs ganzseitige Anzeigen (vermutlich einige Gegengeschäfte), ne Drittelseite und eine halbe Seite Werbung, sowie sieben einseitige Eigenanzeigen.

Ein Special zum Abschied, wie ein Rückblick auf Höhen und Tiefen der fast siebzehnjährigen Geschichte gibt es nicht. Der Inhalt ist genauso belanglos, wie die Monate zuvor. Vielleicht ist das aber auch einfach nur konsequent. Die PC Action starb die letzten zwei Jahre einen langsamen und qualvollen Tod. War sie doch eh nur noch eine umgelabelte PC Games ohne eigene Seele. Die recht aufwendig gemachte Web-2.0-Webseite wurde schon vor gefühlten Ewigkeiten wieder eingestampft, das Forum quasi wortlos geschlossen und zu guter Letzt das Kommentarsystem der Webseite auf Facebook umgestellt.

PC Action hat seit ihrer Konzeptionsänderung mit Ausgabe 02/1999 zum Krawall-Magazin stark polarisiert. Zahlreichen Foren-, Blog- und Webseitenkommentaren ist zu entnehmen, dass dieses Image dem Heft bis zur letzten Ausgabe anhaftet. Das ist in mehrerlei Hinsicht interessant. Es zeigt einmal mehr, dass es „für den ersten Eindruck keine zweite Chance“ gibt. Es zeigt, dass das Vorurteil des pubertären Spielemagazins von seinen Kritikern mit viel Liebe und Hingabe über Jahre gepflegt wurde, ohne sich mal die Mühe zu machen es auf seinen Bestand zu überprüfen.

Einen ganz massiven Vorwurf kann man in diesem Punkt auch Computec machen. Denn so, zumindest nach offiziellem Sprachgebrauch, beschnitt man die PC Action um ihren polarisierenden Humorteil, um sie massenkompatibler zu machen und so letztlich langfristig ihr überleben zu sichern. Blöd nur, wenn außer den Stammlesern, die die PC Action kauften, weil sie eben war wie sie war, niemand sonst was davon mitbekommen hat. Kommunikation zur Neuausrichtung für den Arsch und damit hätte man sich diesen Zirkus auch sparen können.

PC Action hatte ein Alleinstellungsmerkmal und dieses hat man ihr genommen. Danach hatte sie schlicht keine Existenzberechtigung mehr. Man braucht als Verlag nicht zwei identisch ausgerichtete Hefte. Die Auflage ist nach der Konzeptänderung schlicht zerbröselt und im Editorial gibt man letztlich auch indirekt zu, dass die seit IVW-Austritt kommunizierte Auflage von stabil 28.000 damit nicht gestimmt haben dürfte „stetig sinkende Verkaufszahlen im Einzelhandel“.

Die „So testen wir“-Seite mit den Vorsätzen der Redaktion spricht im übrigen auch Bände, denn unterhalten hat der Schreibstil seit der Konzeptänderung nicht mehr. Noch bitterer ist im übrigen nur noch der Hinweis, dass auf den Leserbriefseiten beim Beantworten der abgedruckten Briefe keine Gnade gekannt wird – denn diese Seiten wurden längst gestrichen.

Ich bin kein PC-Action-Stammleser gewesen, möchte mich an dieser Stelle aber bei Jo und Ralph für zwei Staffeln „PC Action kocht“ bedanken – ihr habt mich auf den DVDs köstlich unterhalten. *verbeug*

Computer Bild Spiele Relaunch 1/2013 – Kaufen, lesen, siegen?

Der Jahreswechsel steht an, es wird kalt, dunkel und ungemütlich – der Weihnachtsstress ist mit Erscheinen der Dezember-Ausgaben im November abgeschlossen – Zeit das Heft zu überarbeiten. Oder so. Vor uns liegt nun die Nummer 1/2013 der Computer Bild Spiele. Dick und fett weist „ALLES NEU“ dezent auf den Relaunch hin.

Nach dem man die letzten Jahre, genauer genommen seit 12/2009, versucht hat mit einem Titelmotiv um Leser zu werben statt mit der Spielevollversion, dreht man nun die Uhr zurück und rückt die Heftbeilage wieder penetrant in den Vordergrund. Die Spielethemen werden in drei Kästchen, wie man das vom PC-Action-Cover kennt, präsentiert. Nicht fehlen darf auch der wiederentdeckte Heftslogan „Kaufen, lesen, siegen!“ – vor allem in der Vergangenheit aus Radio- und TV-Spots bekannt – dezent präsentiert mit dem Platzbedarf einer EC-Karte.

Weil die Papierpreise so drastisch gestiegen sind und Strom ja auch ganz dolle teurer wurde, mussten die Heftpreise um 30 Cent erhöht werden – nicht etwa, weil innerhalb von drei Jahren 45% der Käufer abhanden gekommen sind. Apropos Abhanden gekommen, Einleger für CD- und DVD-Hülle wurden mit dieser Ausgabe ebenfalls wegrationalisiert.

Alles neu – Versprechen gehalten
Zumindest diese Ankündigung ist kein leeres Versprechen gewesen, denn umgestaltet hat man eine Menge. Das Editorial quetscht sich nun auf Seite 3 in die Randspalte neben den Datenträgern statt ins Inhaltsverzeichnis. Das Inhaltsverzeichnis verzichtet nun auf die linke Teaserseite und ist nun auch visuell einheitlich auf zwei Seiten aufgezogen. Dadurch denkt man in der Tat, es gäbe mehr Inhalt, auch wenn weniger drinsteckt, doch dazu später mehr. Rumgeaxtet hat man bei den Heftrubriken, es gibt nur noch vier – News, Tests, Interaktiv und Community. Alles, was sich bisher unter Hardware, Service, Tipps&Tricks etc. befand wurde eingegliedert oder gestrichen.

Neues Layout – Einstieg
Brandneu heißt jetzt News, ist unübersichtlich, wie bisher auch und beinhaltet in der aktuellen Ausgaben einen großen Schwanzvergleich von PS3 und Xbox 360, der 3:2 für Sony ausgeht. Ups, gespoilert. Die Releaseliste frisst nun eine Doppelseite, ohne mehr Spiele aufzulisten, und ist vom Newsteil ans Heftende gewandert und gehört nun zur Rubrik Community. Die Verkaufscharts sind nun Teil der Rubrik Tests (bisher Brandneu), nehmen nun zwei statt einer Seite ein, beinhalten statt zehn nun aber nur noch fünf Top-Spiele pro System (Ausnahme PC, da bleiben’s zehn). Thema kürzen: Es gibt keine Hardwarerubrik mehr, diese ist ja nun Bestandteil von Tests. Die bunte Doppelseite mit Hardwaremeldungen ist demnach natürlich gestrichen. Die Hardwarebestenlisten nennen sich nun Top-Produkte. Statt mehreren Hundert Produkten aus 20 Kategorien gibt es nun nur noch 40 Produkte aus sechs Bereichen.

Neues Layout – Tests
Vorbei sind die Zeiten der grausigen Verläufe um die Testkästen, die auf dem billigen fürs Tiefdruckverfahren genutztem Papier noch ein bisschen hässlicher aussahen als sie es eh schon waren. Vorbei ist auch die Zeit des Pro&Contra-Kastens mit Stichpunkten. Wer keinen Bock hat den Test zu lesen kann nun auch einfach einen Blick in die Randspalte werfen – im Kasten „Testfakten“ sind drei Stichpunkte zum Spiel ausführlicher beschrieben.

Der Wertungskasten wurde nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich überarbeitet. Die Gewichtung der Einzelpunkte ist rausgeflogen, stattdessen gibt es zu den Einzelpunkten kurze Sätze. Benotet wird nun von 1-6 in 0,5er Schritten. So was, wie eine Mehrspielernote von 1,81 bei einer Gewichtung von 25% Mehrspieler und 75% Singleplayernote, wobei die 25% der Mehrspielernote 6,25% der Spielspaßnote ausmachen, die wiederum 75% der Gesamtnote ausmacht, gibt es nicht mehr. Einzig die bekannte Endnote mit zwei Nachkommastellen ist geblieben.

Die Aufdröselung, wie die Einzelpunkte nun gewichtet werden, bekommt man nicht mehr zu Gesicht. Wobei, doch. Im CoD Black Ops2-Test (4 Seiten) gibt es einen doppelt so großen Wertungskasten, der das aufschlüsselt. In allen anderen Tests gibt diese nicht – auch nicht im 4(+2 Seiten Tipps)-Test von Far Cry 3. Beide Shooter-Tests fallen übrigens völlig aus dem Rahmen, da sie keinen Fließtext besitzen. Far Cry ist ein Tagebuch, CoD ein Kastenhaufen. Einzelwertungen für die unterschiedlichen Systeme gibt’s wohl auch nicht mehr, jedenfalls befindet sich jetzt alles in einem Wertungskasten.

Was gibt’s zu den Tests sonst noch zu sagen? Diese sind deutlich heller als in den vorherigen Ausgaben, es gibt auch weiße bzw. keine Hintergründe. Interessant ist auch der Dauertest von Assassin’s Creed 3. Das „Lust-o-Meter“ erinnert verdächtig an die PC Games „Motivationskurve“. Weg ist die separate Mobile Gaming-Rubrik. Neu sind die „Drei-Punkte-Tests“ – das sind Halbseiter mit Wertungen für Spielspaß, Grafik und Steuerung im 5er Sternchen-System. Kommen wir zu meinem Lieblingsthema dem Streichen: Die Downloadspiele-Rubrik ist gestrichen.

Interaktiv
Klingt toll die Rubrik oder? Was steckt denn drin? Der DVD-Inhalt. Statt auf sieben jetzt auf 13 Seiten.

Community
Dieser Teil wurde deutlich aufgewertet, bestand er bislang nur aus einer Seite Leserbriefen, angereichert mit ein paar Facebookkommentaren. Leserbriefe gibt es immer noch, jetzt kommen dazu noch Meinungsschnipsel von Twitter und aus dem Forum. Sowie eine Pro&Contra-Diskussion über Achievements. Außerdem gibt es ein Thema des Monats, dieses ist aktuell die Half-Life-Mod.

Fazit
Ehrlicherweise muss ich zugeben, ich bin nicht die Zielgruppe der Computer Bild Spiele und ich war es auch nie. Trotzdem fand ich den letzten Relaunch sehr gelungen, da man das Heft im Rahmen der Möglichkeiten recht hübsch und informativ gemacht hat und den typischen Computer-Bild-Staub beiseite gefegt hat. Ehrlich muss ich aber auch sagen, dass ich beim 1/13er-Relaunch das Gefühl nicht loswerde, es ging einzig und allein darum den Produktionsaufwand zu reduzieren. Das ist angesichts des im Laufe der Zeit geschrumpften Teams nachvollziehbar, für den Leser aber sehr schade, da wirklich viele Informationen verloren gegangen sind und das Themenspektrum des Heftes deutlich geschrumpft ist.

Game Master 02/2012 – Der Weisheit letzter Schluss?

Dass die Auflagenzahlen vieler Print-Magazine stark rückläufig sind, ist nichts Neues. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass es Computer/Spielehefte und Kinderzeitschriften besonders hart trifft. Treffen beide Gattungen aufeinander, ist das Drama gleich vorprogrammiert. Mausklick dürfte mittlerweile aus den meisten Erinnerungen verschwunden sein und Bravo Screenfun läuft auch nur unter ferner liefen. Game Master ist nun auch auf dem besten weg dahin – Mittlerweile sind die Verkaufszahlen auf einem viertel von vor fünf Jahren angekommen.

 

Grandioser Rettungsversuch

Zunächst einmal wäre da die Reduzierung der Erscheinungsfrequenz. Gut, wenn weniger für die Zielgruppe interessante Titel erscheinen, mag das Sinn haben. Auch das irgendwann mal der Preis angehoben werden muss, ist verständlich, Inflation und so. Wobei häufigere kleine Schritte weniger wehtun als ein großer. Von € 2,99 auf € 3,50 ist durchaus spürbar und strategisch in diesem Segment eher unklug, sei’s drum.

Zu diesen Änderungen bekommt Game Master besseres Papier spendiert, das gefällt mir, dürfte der Zielgruppe jedoch schnuppe sein. Ein größeres Format (210x297mm statt 210x280mm) find ich auch schick, dürfte jedoch einfach der Tatsache geschuldet sein, dass sich so ein „grooooooßes“ Poster besser einheften lässt. Moment mal, Poster? Genau, Game Master kommt jetzt mit XXL-Poster (d.h. Din A2). Im Gegenzug muss man nur auf ein paar Seiten verzichten… und zwar nicht nur auf die acht vom Poster eingenommenen, sondern wenn man schon dabei ist, auch noch gleich acht weitere. Von den 52 Seiten Inhalt sind jetzt noch klägliche 36 Seiten übrig geblieben. DAS merkt man. Der Testteil umfasst alibimäßige vier Titel, das Konzept Marke Rasenmäher wurde konsequent durchs ganze Heft gezogen, sodass man in jeder Rubrik das Gefühl „wie, das war’s schon?“ bekommt.

Was man nicht verändert hat, ist das Logo. Und die Covergestaltung. Und das Layout. Und die mehr oder minder tolle Spielzeugbeilage.

Merke: Wenn die Auflage einbricht, dann ist es nur logisch und sinnig den Preis zu erhöhen, den Heftumfang um ein drittel zu reduzieren und das komplette Erscheinungsbild und die inhaltliche Ausrichtung unverändert zu lassen. Denn vom Konzept sind die Leser ja völlig überzeugt und vom Inhalt ebenfalls begeistert. Man muss es ihnen durch die kleinen Veränderungen nur wieder schmackhaft machen. Nicht.

Angesehen: InsidePS3 03/2011

Eigentlich ist es zu früh für einen „Kontrollbesuch“, von InsidePS3 ist gerade erst die fünfte Ausgabe erschienen. Ungeachtet dessen wurde bereits mit dem vierten Heft das Konzept dezent abgeändert. Wir erinnern uns, InsidePS3 kam mit DVD zum Preis von € 4,99 auf den Markt und sah damit äußerlich nach einem starken Play3-Konkurrenten aus. Die DVD entpuppte sich mit Trailern und einer Hand voll Testvideos als ziemliche Luftnummer. Da brachte auch die schnell eingeführte „Be3 Show“ nichts. Also weg mit der DVD, Preis runter auf € 4,50 und Umfang rauf auf 116 Seiten. Das erinnert an den Werdegang der Maniac zur M! Games und wirft die Frage auf, wie lange es den Seitenbonus geben wird.
Ich möchte mich gewiss nicht über mehr Seiten beschweren, trotzdem interessiert mich folgendes: Wenn die Leser mehr Heftumfang nicht im Sinne von mehr Heftkäufen honorieren, warum macht man es dann? Und vor allen Dingen, wenn es ein Alleinstellungsmerkmal unter den monatlichen PlayStation-Magazinen ist (PS3M 84 Seiten, play3 100 Seiten), warum bewirbt man diesen nicht aggressiv?

Rätsel wirft auch sonst das Marketing des Heftes auf. Die aktuelle Ausgabe ist am Freitag erschienen, auf der Webseite des Magazins ist noch die alte Ausgabe zu sehen und die im Editorial beworbene Heftumfrage liegt mal wieder nicht im Zeitfenster – auf gut deutsch: Teilnahme nicht möglich, da die alte Umfrage abgelaufen ist und die neue nicht online ist.

 

Unabhängig und anders

Ebenso wenig, wie man konsequent bei der DVD war, ist man es mit dem Heftslogan. Zugegeben, der alte „Das unabhängige PlayStation-Magazin“ war schon alles andere als eine Meisterleistung, zierte selber Satz z. B. schon 1998 das Cover von Computecs „PlayStation Games“. Doch was heißt unabhängig und anders?
Unabhängigkeit beansprucht jedes Magazin für sich, selbst wenn es die offiziellen Vertreter einer Konsole sind. Und wie wir von einem großen Druckerzeugnis mit vier Buchstaben wissen, sagt der Aufdruck dieses Begriffs über die Tatsachen relativ wenig aus. Neugierig machen kann mich lediglich die Aussage „Anders“, der Punkt lässt sich von außen ohne Probleme nachprüfen..
Was macht InsidePS3 also anders?
Da wären die nicht aktiv vermarkteten 116 Seiten Heftumfang, das an keiner Stelle erklärte 10er Wertungssystem, der Schreibstil oder auch die unsichtbare Redaktion. Nunja, zumindest letzteres hat einen guten Grund. Die Kernredaktion besteht aus zwei Leuten, davon ein Trainee, wenn man dem Impressum des GameStar WoW-Magazins glauben schenken darf – im Impressum der InsidePS3 fehlt die Angabe. Der Rest stammt z. B. aus dem IDG-Universum (Kai Schmidt, Markus Schwerdtel) oder gehört zu bekannteren freien Redakteuren, wie zum Beispiel Ahmet Iscitürk.

Aber gut, keinerlei Personality ist auch „anders“ bei dem Spieleheften. „Anders“ ist auch irgendwo Schreibstil, wobei „anders“ nicht besser heißen muss. „Anders“ heißt im Falle InsidePS3 meinem Empfinden nach möglichst oft, möglichst schlechte Wortspiele zu reißen ohne Witz dabei zu haben. Der eigenwillige Humor der PC Action war stets mit Köpfen verbunden. Ohne Köpfe bei der InsidePS3 wirkt es aufgesetzt, wenig lustig und es beginnt schon im Editorial. Das Ding mit dem sexy Namen (PSP-Nachfolger NGP) getreu dem Motto aus der Grundschule „Haha, er hat Penis gesagt“.
Was ist sonst noch „anders“? InsidePS3 kennt offenbar keine Zwischenüberschriften und mag Zitate die irgendwann mal irgendwo im Fließtext auftauchen. Das ist allerdings nur „anders“ im Vergleich zu den Mitbewerbern, die Schwesterhefte GamePro und GameStar setzen auf ein ähnliches Konzept.
„Anders“ mag auch sein, dass man die Rubriken auf inneren Rand der Seiten schreibt und nicht, wie man es gewohnt ist nach außen. Da es auch keinerlei Einstiegsseiten gibt, der Titeltest sich zwischen den Previews befindet und auch sonst immer mal wieder Technik-Artikel auftauchen hat man vor allem das Gefühl jegliche Struktur zu vermissen. Leider entsteht dadurch der Eindruck, man hätte 116 Seiten Heft und es hätte nur einen einzigen Bestandteil: Viele große, bunte Bilder.

 

Fazit:

Auch wenn seit der Erstausgabe kleinere Optimierungen vorgenommen wurden, wie z. B. das ändern der Leseranrede von du auf ihr, hat sich mein Ersteindruck weiter verfestigt: Es macht weiterhin nicht satt. Obwohl versucht wird gewisse Dinge anders als die direkten Mitbewerber zu machen, bleibt der Nachgeschmack von Beliebigkeit erhalten. Der nicht optimal gepflegte Onlineauftritt verstärkt dieses Gefühl leider weiter.

GameStar 11/2010 – The Month After Relaunch

Einen Monat ist es nun her, dass IDG der GameStar einen Relaunch aufgedrückt hat. Die Meinungen, wie „er“ denn war, sind eindeutig ausgefallen. Sowohl die erste Community „GameStar Pinboard“ (Forum), als auch die zweite Community „GameStar Hauptseite“ (User-Blogs), zeigten sich wenig begeistert von den Veränderungen, die Menge der positiven Stimmen ließ sich an einer Hand abzählen und auch die ansonsten so diskussionsfreudige GameStar-Redaktion zeigte nur wenig Regungen ihr Produkt zu verteidigen – welch Überraschung.

„Jetzt mit 16 Seiten mehr!“
Gleich die erste Ausgabe nach dem Relaunch beginnt mit einer kleinen Kuriosität, man wirbt damit, dass das Heft nun wieder jetzt 16 Seiten mehr hat. Aha, man feiert also quasi, dass GameStar nun den Heftumfang erreicht hat, den es bis einschließlich 06/2010 hatte, bevor man ihn klammheimlich auf 132 Seiten runterschraubte und sich seit dem praktisch jeden Monat zu einem neuen Negativrekord an redaktionellen Seiten hangelte. Im Editorial liest sich das wie folgt „[…] Vor allem aber erhöhen wir mit dieser Ausgabe den Umfang des Hefts um 16 Seiten, um den spannenden kommenden Titeln im Herbst und Winter genügend Platz widmen zu können.“

Dann schlüsseln wir mal auf…
10/2010 – 132 Seiten Umfang: Werbung: 36,5 Seiten; Eigenanzeigen: 3 Seiten; red. Inhalte: 92,5 Seiten
11/2010 – 148 Seiten Umfang: Werbung: 42,25 Seiten; Eigenanzeigen: 3 Seiten; red. Inhalte: 103,75 Seiten

Macht ein Plus von 11,25 Seiten.

… und schauen weiter in die Statistik: Die Ausgaben 1 bis 6/2010, also alle vorherigen mit 148 Seiten aus diesem Jahrgang hatte mehr redaktionelle Seiten. Und auch die Ausgabe von vor genau einem Jahr. Davon ab, dass dort auf jede Seite mehr raufgepasst hat.

Mehr Text und grafische Korrekturen
Immerhin zeigt man sich einsichtig, zumindest ein bisschen. Mit Ausgabe 11/2010 hat man die Schriftgröße wieder etwas zurückgeschraubt und auch die Zeilenabstände wieder verkleinert, sodass keine Kleinlaster mehr zwischen den Zeilen durchfahren können. Ebenso hat man die hässlichen Rubrikreiter wieder überarbeitet und auch die Bildunterschriften finden sich nun deutlich häufiger unterm statt im Bild. Leider fährt man keine einheitliche Linie und mixt beide Varianten auch mal untereinander. Die Zwischenüberschriften sind nicht zurückgekehrt und so ragen auch weiter ohne Sinn und Verstand irgendwo Zitatkästen in mehre Spalten hinein.

Grafisches Konzept: Mehr Raum für Emotionen
So hatte man es angekündigt und letzte Ausgabe bezog sich meine Kritik vor allem darauf, dass Bilder nicht wirken können, wenn mittendrin die Bildunterschriften platziert sind. Wie bereits erwähnt, hat man sich diesem Punkt teilweise angenommen, dafür hat man den Raum für Emotionen teilweise wieder vergessen und es greift eine neue Einschränkung. Die Vorschau zu Diablo 3 besteht nur aus Kästen, in denen die Neuerungen übersichtlich vorgestellt werden. Völlig in Ordnung die Seiten so aufzubauen. Das Problem ist nur, es gibt sehr viel vorzustellen, aber nun noch fünf Seiten Platz. Mehr Platz gibt’s scheinbar nicht mehr für ein Spiel, da fünf Seiten für Topspiele eine Menge Raum seien und die Menge der Seiten nichts über die Qualität der Informationen aussage (laut Chefredakteur Michael Trier in den Leserbriefen, Seite 104).
Informationen können auch visuell sein und müssen nicht in Textform vorliegen. Die Bilder des Diablo 3-Artikels sind durch den Platzmangel derart klein, dass sich ihr Format im Bereich mal minimal unter einer Briefmarke, mal minimal darüber bewegt – die Heldenklassen als Klasse an sich und in Aktion sind kaum zu erkennen. Gerade bei düsteren Titeln enden kleine Bilder häufig in einer Matschpampe, wenn nur eine Standardpapierqualität für den Druck verwendet wird.

Verschwundene Rubriken
In einem Leserbrief mit dem Titel „völlig daneben“ kritisiert der Verfasser neben dem Relaunch im allgemeinen, dass Rubriken wie Patch-Test, Budgetspiele und die Tipps-Seiten gestrichen wurden. Michael Trier antwortet hierauf, dass sich die Lesergewohnheiten eben verändert hätten und Tipps- und Patches fast jeder übers Internet beziehen würde. Über die Zeit würden Rubriken eben verschwinden bzw. nach online verschoben werden oder neue Hinzukommen, wie die Hall of Fame oder die Freispielrubrik.

Letztere behandelt im übrigen nur online beziehbare Inhalte… Dass Tipps- bzw. Lösungen und Lösungshilfen nicht mehr interessant sind für gedruckte Hefte ist quatsch, dann würden sich die Verlage keine Cashcows wie die WoW-Magazine halten oder Tipps- & Tricks-Sonderhefte auf den Markt werfen. Mit der gleichen Begründung, mit der man die Tipps abgeschoben hat, lassen sich im übrigen auch Newsteil und Previews für das Heft überflüssig machen. Und nicht zu vergessen die Tests, von denen es auf GameStar.de inzwischen eh mehr als im Heft gibt.

Mit der Begründung Info/Thema XYZ wird von den Lesern über das Internet bezogen, kann man jedes fast Heft überflüssig machen. Ob das so gewollt sein kann?

Relaunch: GameStar 10/2010 – Die ganze Welt der PC-Spiele wird kleiner

Mittwoch, 25. August 2010. Der Branchendienst Kress frohlockt, dass IDG die GameStar aufmotzt – natürlich gegen den Auflagenschwund. Auch das Medienmagazin dwdl.de veröffentlicht die Pressemitteilung einen Artikel zum Relaunch. Sicher, Veränderungen sind immer von Zeit zu Zeit notwendig und stellenweise auch schmerzhaft. Die Zielstrebigkeit, mit der IDG nach der GamePro nun auch das Flagschiff und den noch Marktführer der PC-Spiele-Magazine, GameStar, gegen die Wand fährt, ist bemerkenswert. Doch der Reihe nach.

 

„Erleben Sie die neue GameStar“ …

und machen Sie sich auf Ihr blaues Wunder gefasst. Bereits das Cover warnt, hier bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Mit dem Relaunch hat die GameStar auch eine neue Hausschrift eingeführt, eine äußerst serifenbetonte und die bringt gleich mehrere Probleme mit sich:
1. Die Schrift beißt sich mit dem Heftlogo.
2. Die Schrift passt auch nicht zur Teasertext-Schrift auf dem Cover.
3. Die Schrift wirkt nur, wenn sie sehr groß ist. Sobald sie auf normale Größe schrumpft, wird’s hässlich. Diesem Problem ist man sich im Heft allerdings bewusst, mit den meisten Headlines könnte man auch Leser erschlagen.

Schon auf Seite 3 bekommt man nicht, was man erwartetet. Anstelle des Editorials findet sich hier nun der DVD-Inhalt. Das ist vor allem in diesem Zusammenhang äußerst sinnvoll, da die DVDs zwischen Umschlag und Seite 3 eingeklebt sind und sich in Papierhüllen befinden, auf denen bereits der komplette DVD-Inhalt abgedruckt ist.

 

„…die GameStar ist zu schwer zu lesen…“

So soll der Tenor vieler Zuschriften gewesen sein. Aus diesem Grund geht man auch bei der GS den Weg, der schon bei den CyPress-Heften OPM2 und PC PowerPlay nicht geklappt hat: Größere Schrift und mehr Zeilenabstand oder zu deutsch: Deutlich weniger Text auf den Seiten. Nur als gut gemeinter Tipp am Rande: Es bringt nichts die Lesbarkeit durch eine größere Schrift verbessern zu wollen, wenn man gefühlt jeden dritten Artikel mit einem schwarzen Hintergrund zukleistert und weiße Schrift draufdruckt. Der Kontrast strengt die Augen weit mehr an, als eine kleinere Schrift.

 

„Bei der GS sehen viele Seiten zu gleich aus“

Richtig. Seit Gründung im August 1997 hatte die GameStar ein Markenzeichen: Eine elegante Optik ohne unnützen Schnickschnack und Spielereien. Dazu gehört eben auch, dass jede einen einheitlichen Aufbau hat und bunte Hintergründe oder Abweichungen von der Norm die Ausnahme, nicht die Regel sind. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal und hoher Kontinuität zog die GameStar im Laufe der Zeit an Computecs PC Games vorbei, die im Laufe der Zeit immer bunter und kastiger wurde. Und jetzt, 13 Jahre später als Marktführer stellt man fest: Och ne, das gefällt dem Leser ja gar nicht.

Das Ziel, dass keine Seite mehr der anderen gleichen soll, hat man immerhin konsequent umgesetzt. So wechselt man in der The Witcher 2-Titelstory von drei- auf zweispaltigen Text und wieder zurück. Unterschiedlich breite Spalten und hässlicher Flattersatz tragen bekanntlich seit jeher zur besseren Lesbarkeit bei. Zwischenüberschriften sind zur Führung des Auges auch völlig überwertet, aus diesem Grund gibt es jetzt nur noch leere Zeilen zur Textgliederung oder eingeschobene Textzitate, die auch ab und an in die zweite Textspalte hineinragen.

 

„Die ganze Welt der PC-Spiele“

So lautet der Slogan der GameStar. Bedenklich ist allerdings die Geschwindigkeit, mit der die ganze Welt der PC-Spiele schrumpft. Bei der neuen GameStar soll jedes Spiel mindestens zwei Seiten bekommen, nicht weniger – die PC PowerPlay grüßt an dieser Stelle recht freundlich aus dem Grab. Der eigentlich Witz kommt noch: Was heute mindestens zwei, eher mehr Seiten braucht, hat letzte Ausgabe noch auf eine Seite gepasst. Bilder brauchen Platz zum Atmen. Dann sollte man ihnen diesen auch geben und nicht vier große Bilder auf einer Seite übereinander Kästeln, sodass sie sich alle überschneiden und verdecken und letztlich doch ihre Wirkung verfehlen. BildUNTERschriften gehören, wie der Name schon sagt, unters Bild, nicht irgendwo darein. Ich will das Bild sehen, nicht einen schwarzen Textkasten. Zurück zum Thema mit den zwei Seiten-Minimumgröße für ein Spiel: Konsequent durchgezogen bedeutet das entweder einen hohen Platzbedarf oder weniger Spiele im Heft. Selbstverständlich hat man sich für letzteres entschieden. Das ist nur richtig, das Geburtstagsheft hat mit 93 redaktionellen Seiten den niedrigsten Wert, den je ein GameStar-Heft hatte und schlägt den Rekord aus der letzten Ausgabe noch mal um eine Seite. Weniger Spiele im Heft bedeutet auch mehr Platz fürs Wesentliche, zum Beispiel Platz für zwei Seiten Teamvorstellung. Wie auch schon bei der GamePro entfalten die neuen Schwarz-Weiß-Fotos der Redakteure auf dem leicht gräulichem Papier ihre volle Wirkung… nicht. Platz hat man auch für ganz andere Dinge, beispielsweise für ein Lauftextinitial, das sich über sechs Zeilen erstreckt oder einen neuen Wertungskasten, der entfernt an ein Fieberthermometer erinnert, allerdings 1/3 einer DIN A4-Seite einnimmt.

 

„Die Genre-Struktur ist Geschichte“

denn es gäbe zu wenig Neuerscheinungen im Sport und Strategiebereich. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn wie auch das Schwesterheft GamePro selektiert die GameStar noch stärker, was im Testteil landet und was nicht. Wenn der Testteil nur noch acht Spiele umfasst, hat es natürlich keinen Sinn da noch irgendwas nach Genres zu unterteilen. Zu wenig Spiele erscheinen in dies nicht. Wer zumindest ein bisschen mehr von der ganzen Welt der PC-Spiele lesen will, bekommt die Tests auch auf gamestar.de zu lesen. Noch bevor das Heft bei den Abonnenten im Postkasten liegt, mit längeren Texttesten als im Heft abgedruckt und ach ja, mit Spielen, die nicht Heft erwähnt werden. Ganz großes Kino.

 

Neu: Freispielcheck

Browser-Games, Facebookspiele, MMOs, DLC etc. Was bislang geflissentlich ignoriert wurde, bekommt nun eine eigene Rubrik im Heft. Die Gestaltung der Seiten ist allerdings so quietischig bunt, dass jedes englische Spieleheft vor Neid erblassen würde. Der Inhalt könnte ebenfalls aus besagten Heften kommen, die Texte haben einen äußerst geringen Nähr- bzw. Informationswert. Die neue Rubrik im Heft ersetzt auf DVD übrigens den äußerst beliebten Testcheck – damit bleibt auch der Datenträger vom Relaunchwahn und Inhaltskürzungen nicht verschont.

 

Quo vadis GameStar?

Hatten die bisherigen Redesigns und Relaunches der GameStar nur das Ziel das Heft sanft an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen, ist man nun einen gänzlich anderen Weg gegangen. Was auch immer jetzt vor mir liegt ist mit Sicherheit eines nicht: Eine GameStar. Zugegeben, ich hätte es mir jetzt auch viel einfacher machen können als diesen langen Verriss zu schreiben, ein Satz hätte genügt: „Ich bin nicht mehr die anvisierte Zielgruppe“ – angesichts der Tatsache, dass ich seit Ausgabe 03/2003 als Leser dabei bin dank Ebay auch im Besitz aller Ausgaben davor bin, erschien mir das aber nicht angemessen. Umso größer ist mein Bedauern nun sagen zu müssen, sorry Jungs, ihr könnt mein Informationsbedürfnis nicht mehr decken. Die Änderungen am Heft sind meiner Meinung nach so drastisch und so radikal in die falsche Richtung gegangen, dass ich es auch nicht mehr für ausgeschlossen halte, dass die PC Games an der GameStar schon in Kürze vorbeiziehen könnte. Ob das gewollt sein kann?

Angesehen: GamePro 06/2010 – Die Relaunchausgabe

Mittwoch, 5. Mai 2010. Stichtag für die Relaunchausgabe der GamePro. IDG hat ihr Multiplattformheft inhaltlich, wie optisch grundlegend überarbeitet und bereits im Vorfeld freundlich Pressemitteilungen an diverse Mediendienste verschickt. Versprochen wurde allerhand: neues Wertungssystem, ein moderner Heftlook, mehr Meinungen und Hintergründe. Versprechen kann man Vieles, nicht halten ebenso.

Beginnen wir zunächst mit ein paar positiven Dingen: Das Cover bietet nun endlich mehr Platz fürs Titelmotiv und das Wertungssystem, bei dem die Einzelwertungen mehr oder minder kunstvoll zu einer Gesamtwertung zusammenaddiert wurden, ist Geschichte. Es gibt wieder klassisch Grafik und Sound im 10er System und eine Spielspaß-Note in Prozent. Damit sind wir auch schon am Ende angekommen. Halt, nicht ganz – denn schließlich gibt es auch Negatives zu berichten.

Bereits beim Blick ins Editorial fallen zweierlei Dinge auf: 1. Es gibt eine neue, viel größere Schrift und 2. „Layout entschlacken“ heißt vor allem eines, Farbe raus.

War schon beim letzten, wenig überzeugenden, Relaunch nicht ganz klar, warum die Comic-Avatare der Redakteure noch erhalten blieben, stellt sich die Frage jetzt erneut – nur viel drastischer. Denn übrig geblieben sind nicht einmal mehr die Symbole für die einzelnen Konsolen. Die Verwendung der Comic-Bildchen hätte man sich also schenken können, die passenden Schwarz-Weiß-Fotos sind direkt daneben bereits abgedruckt. Ebenfalls schenken können hätte man sich die Neugestaltung der Avatare, denn wirklich ähnlich sehen sie ihren echten Vorbildern nicht mehr. Henry Ernst sieht aus wie der liebe Onkel von Nebenan, Kai Schmidt wie ein Schwerverbrecher und Thomas Wittulski wie eine finster dreinblickende Papst-Benedikt-Karikatur ohne graue Haare.

Von einem Extrem ins Nächste

Bislang setzte man auf ein vierspaltiges Layout mit winzigkleiner Schrift. Davon hat man nun abstand genommen und schreibt wieder in einer Größe, die auch ältere Menschen problemlos lesen können. Vor allem die Headlines nehmen jetzt Ausmaße an, die ein großes, deutsches Boulevardblatt ebenfalls gerne für ihre Titelschlagzeilen verwendet. Die Spaltenzahl wurde halbiert, d. h. es gibt von nun an nur noch zwei. Auf den ersten Blick wirkt das sehr ungewohnt, auf den zweiten Blick führt das zu großen Textklumpen und sehr großen Screenshots mit sehr unregelmäßiger Breite.

(Ex-)Mitbewerber lassen grüßen

Ein Häppchen M! Games: Der Magazin-Teil der GamePro wird nun, genauso wie M! Extended, im ganzen Heft verstreut
Eine Portion PC PowerPlay: Jedes getestete Spiel bekommt mindestens zwei Seiten
Eine Scheibe neXt Level: Es kommt nicht mehr (fast) jedes Spiel in den Testteil, sondern nur noch ausgewählte Titel. Der Testteil der neuen GamePro umfasst also gerade einmal klägliche zehn Spiele, darunter einen Handheldtest

Dass man bei einem reinen Singleplattform-Magazin auf Kurztests oder Einseiter verzichtet, okay. Hat bei der PC PowerPlay auch geklappt, vor allem wenn man bedenkt, dass die ganzen Moorhuhn-Neuauflagen und Klone eh keinen Heftkäufer interessieren. Bei einem Multiformatheft wird das schon schwieriger, denn selbst wenn man den gröbsten Schrott (das Casual-Zeug für Wii) weglässt, erscheinen noch viele überdurchschnittliche Titel (GamePro-Maßstab 70% und drüber). Next Level hat dieses Problem vor mehr als zehn Jahren mit Kurztests gelöst. Da diese Option für die GamePro wegfällt, fallen die Titel einfach komplett aus dem Heft heraus. Denn wirklich viele Spiele kann man bei diesem Konzept nicht unterbringen, zumindest dann nicht, wenn der Umfang selbst zum Relaunch bei 100 Seiten verbleibt.

Dem neuerlichen Platzproblem sind in dies auch gleich die Leserbriefe zu Opfer gefallen. Laut Aussagen im Forum läge dies natürlich daran, dass es nicht genug brauchbare Zuschriften gegeben hätte. Ah ja, nach über 90 Ausgaben gibt es auf einmal also nicht mehr genügend Leserbriefe, deren Abdruck sich lohnt, soso.

Den Absturz der Relaunchausgabe verhindern können die neue Serie „GamePro Elements“ mit dem Schwerpunkt „Der Schuss“ in Videospielen und der nette Retroteil mit Tactics Ogre zwar nicht, aber immerhin verhindern sie einen Totalausfall.

Dass man an der ein oder anderen Stelle daneben gegriffen hat, wurde im Heftforum übrigens auch schon festgestellt, Wertungskasten samt „Awards“, die als solche derzeit nicht mehr erkennbar sind, sollen schon überarbeitet werden. Es bleibt also kein „Setzen, 6“ zurück, ein „Versetzung gefährdet“ ist es dennoch.

P.S.
Sorry Kosta und Jakob, es tut mir in der Seele weh dies geschrieben zu haben.