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Game Master 02/2012 – Der Weisheit letzter Schluss?

Dass die Auflagenzahlen vieler Print-Magazine stark rückläufig sind, ist nichts Neues. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass es Computer/Spielehefte und Kinderzeitschriften besonders hart trifft. Treffen beide Gattungen aufeinander, ist das Drama gleich vorprogrammiert. Mausklick dürfte mittlerweile aus den meisten Erinnerungen verschwunden sein und Bravo Screenfun läuft auch nur unter ferner liefen. Game Master ist nun auch auf dem besten weg dahin – Mittlerweile sind die Verkaufszahlen auf einem viertel von vor fünf Jahren angekommen.

 

Grandioser Rettungsversuch

Zunächst einmal wäre da die Reduzierung der Erscheinungsfrequenz. Gut, wenn weniger für die Zielgruppe interessante Titel erscheinen, mag das Sinn haben. Auch das irgendwann mal der Preis angehoben werden muss, ist verständlich, Inflation und so. Wobei häufigere kleine Schritte weniger wehtun als ein großer. Von € 2,99 auf € 3,50 ist durchaus spürbar und strategisch in diesem Segment eher unklug, sei’s drum.

Zu diesen Änderungen bekommt Game Master besseres Papier spendiert, das gefällt mir, dürfte der Zielgruppe jedoch schnuppe sein. Ein größeres Format (210x297mm statt 210x280mm) find ich auch schick, dürfte jedoch einfach der Tatsache geschuldet sein, dass sich so ein „grooooooßes“ Poster besser einheften lässt. Moment mal, Poster? Genau, Game Master kommt jetzt mit XXL-Poster (d.h. Din A2). Im Gegenzug muss man nur auf ein paar Seiten verzichten… und zwar nicht nur auf die acht vom Poster eingenommenen, sondern wenn man schon dabei ist, auch noch gleich acht weitere. Von den 52 Seiten Inhalt sind jetzt noch klägliche 36 Seiten übrig geblieben. DAS merkt man. Der Testteil umfasst alibimäßige vier Titel, das Konzept Marke Rasenmäher wurde konsequent durchs ganze Heft gezogen, sodass man in jeder Rubrik das Gefühl „wie, das war’s schon?“ bekommt.

Was man nicht verändert hat, ist das Logo. Und die Covergestaltung. Und das Layout. Und die mehr oder minder tolle Spielzeugbeilage.

Merke: Wenn die Auflage einbricht, dann ist es nur logisch und sinnig den Preis zu erhöhen, den Heftumfang um ein drittel zu reduzieren und das komplette Erscheinungsbild und die inhaltliche Ausrichtung unverändert zu lassen. Denn vom Konzept sind die Leser ja völlig überzeugt und vom Inhalt ebenfalls begeistert. Man muss es ihnen durch die kleinen Veränderungen nur wieder schmackhaft machen. Nicht.

Angesehen: InsidePS3 03/2011

Eigentlich ist es zu früh für einen „Kontrollbesuch“, von InsidePS3 ist gerade erst die fünfte Ausgabe erschienen. Ungeachtet dessen wurde bereits mit dem vierten Heft das Konzept dezent abgeändert. Wir erinnern uns, InsidePS3 kam mit DVD zum Preis von € 4,99 auf den Markt und sah damit äußerlich nach einem starken Play3-Konkurrenten aus. Die DVD entpuppte sich mit Trailern und einer Hand voll Testvideos als ziemliche Luftnummer. Da brachte auch die schnell eingeführte „Be3 Show“ nichts. Also weg mit der DVD, Preis runter auf € 4,50 und Umfang rauf auf 116 Seiten. Das erinnert an den Werdegang der Maniac zur M! Games und wirft die Frage auf, wie lange es den Seitenbonus geben wird.
Ich möchte mich gewiss nicht über mehr Seiten beschweren, trotzdem interessiert mich folgendes: Wenn die Leser mehr Heftumfang nicht im Sinne von mehr Heftkäufen honorieren, warum macht man es dann? Und vor allen Dingen, wenn es ein Alleinstellungsmerkmal unter den monatlichen PlayStation-Magazinen ist (PS3M 84 Seiten, play3 100 Seiten), warum bewirbt man diesen nicht aggressiv?

Rätsel wirft auch sonst das Marketing des Heftes auf. Die aktuelle Ausgabe ist am Freitag erschienen, auf der Webseite des Magazins ist noch die alte Ausgabe zu sehen und die im Editorial beworbene Heftumfrage liegt mal wieder nicht im Zeitfenster – auf gut deutsch: Teilnahme nicht möglich, da die alte Umfrage abgelaufen ist und die neue nicht online ist.

 

Unabhängig und anders

Ebenso wenig, wie man konsequent bei der DVD war, ist man es mit dem Heftslogan. Zugegeben, der alte „Das unabhängige PlayStation-Magazin“ war schon alles andere als eine Meisterleistung, zierte selber Satz z. B. schon 1998 das Cover von Computecs „PlayStation Games“. Doch was heißt unabhängig und anders?
Unabhängigkeit beansprucht jedes Magazin für sich, selbst wenn es die offiziellen Vertreter einer Konsole sind. Und wie wir von einem großen Druckerzeugnis mit vier Buchstaben wissen, sagt der Aufdruck dieses Begriffs über die Tatsachen relativ wenig aus. Neugierig machen kann mich lediglich die Aussage „Anders“, der Punkt lässt sich von außen ohne Probleme nachprüfen..
Was macht InsidePS3 also anders?
Da wären die nicht aktiv vermarkteten 116 Seiten Heftumfang, das an keiner Stelle erklärte 10er Wertungssystem, der Schreibstil oder auch die unsichtbare Redaktion. Nunja, zumindest letzteres hat einen guten Grund. Die Kernredaktion besteht aus zwei Leuten, davon ein Trainee, wenn man dem Impressum des GameStar WoW-Magazins glauben schenken darf – im Impressum der InsidePS3 fehlt die Angabe. Der Rest stammt z. B. aus dem IDG-Universum (Kai Schmidt, Markus Schwerdtel) oder gehört zu bekannteren freien Redakteuren, wie zum Beispiel Ahmet Iscitürk.

Aber gut, keinerlei Personality ist auch „anders“ bei dem Spieleheften. „Anders“ ist auch irgendwo Schreibstil, wobei „anders“ nicht besser heißen muss. „Anders“ heißt im Falle InsidePS3 meinem Empfinden nach möglichst oft, möglichst schlechte Wortspiele zu reißen ohne Witz dabei zu haben. Der eigenwillige Humor der PC Action war stets mit Köpfen verbunden. Ohne Köpfe bei der InsidePS3 wirkt es aufgesetzt, wenig lustig und es beginnt schon im Editorial. Das Ding mit dem sexy Namen (PSP-Nachfolger NGP) getreu dem Motto aus der Grundschule „Haha, er hat Penis gesagt“.
Was ist sonst noch „anders“? InsidePS3 kennt offenbar keine Zwischenüberschriften und mag Zitate die irgendwann mal irgendwo im Fließtext auftauchen. Das ist allerdings nur „anders“ im Vergleich zu den Mitbewerbern, die Schwesterhefte GamePro und GameStar setzen auf ein ähnliches Konzept.
„Anders“ mag auch sein, dass man die Rubriken auf inneren Rand der Seiten schreibt und nicht, wie man es gewohnt ist nach außen. Da es auch keinerlei Einstiegsseiten gibt, der Titeltest sich zwischen den Previews befindet und auch sonst immer mal wieder Technik-Artikel auftauchen hat man vor allem das Gefühl jegliche Struktur zu vermissen. Leider entsteht dadurch der Eindruck, man hätte 116 Seiten Heft und es hätte nur einen einzigen Bestandteil: Viele große, bunte Bilder.

 

Fazit:

Auch wenn seit der Erstausgabe kleinere Optimierungen vorgenommen wurden, wie z. B. das ändern der Leseranrede von du auf ihr, hat sich mein Ersteindruck weiter verfestigt: Es macht weiterhin nicht satt. Obwohl versucht wird gewisse Dinge anders als die direkten Mitbewerber zu machen, bleibt der Nachgeschmack von Beliebigkeit erhalten. Der nicht optimal gepflegte Onlineauftritt verstärkt dieses Gefühl leider weiter.

GameStar 11/2010 – The Month After Relaunch

Einen Monat ist es nun her, dass IDG der GameStar einen Relaunch aufgedrückt hat. Die Meinungen, wie „er“ denn war, sind eindeutig ausgefallen. Sowohl die erste Community „GameStar Pinboard“ (Forum), als auch die zweite Community „GameStar Hauptseite“ (User-Blogs), zeigten sich wenig begeistert von den Veränderungen, die Menge der positiven Stimmen ließ sich an einer Hand abzählen und auch die ansonsten so diskussionsfreudige GameStar-Redaktion zeigte nur wenig Regungen ihr Produkt zu verteidigen – welch Überraschung.

„Jetzt mit 16 Seiten mehr!“
Gleich die erste Ausgabe nach dem Relaunch beginnt mit einer kleinen Kuriosität, man wirbt damit, dass das Heft nun wieder jetzt 16 Seiten mehr hat. Aha, man feiert also quasi, dass GameStar nun den Heftumfang erreicht hat, den es bis einschließlich 06/2010 hatte, bevor man ihn klammheimlich auf 132 Seiten runterschraubte und sich seit dem praktisch jeden Monat zu einem neuen Negativrekord an redaktionellen Seiten hangelte. Im Editorial liest sich das wie folgt „[…] Vor allem aber erhöhen wir mit dieser Ausgabe den Umfang des Hefts um 16 Seiten, um den spannenden kommenden Titeln im Herbst und Winter genügend Platz widmen zu können.“

Dann schlüsseln wir mal auf…
10/2010 – 132 Seiten Umfang: Werbung: 36,5 Seiten; Eigenanzeigen: 3 Seiten; red. Inhalte: 92,5 Seiten
11/2010 – 148 Seiten Umfang: Werbung: 42,25 Seiten; Eigenanzeigen: 3 Seiten; red. Inhalte: 103,75 Seiten

Macht ein Plus von 11,25 Seiten.

… und schauen weiter in die Statistik: Die Ausgaben 1 bis 6/2010, also alle vorherigen mit 148 Seiten aus diesem Jahrgang hatte mehr redaktionelle Seiten. Und auch die Ausgabe von vor genau einem Jahr. Davon ab, dass dort auf jede Seite mehr raufgepasst hat.

Mehr Text und grafische Korrekturen
Immerhin zeigt man sich einsichtig, zumindest ein bisschen. Mit Ausgabe 11/2010 hat man die Schriftgröße wieder etwas zurückgeschraubt und auch die Zeilenabstände wieder verkleinert, sodass keine Kleinlaster mehr zwischen den Zeilen durchfahren können. Ebenso hat man die hässlichen Rubrikreiter wieder überarbeitet und auch die Bildunterschriften finden sich nun deutlich häufiger unterm statt im Bild. Leider fährt man keine einheitliche Linie und mixt beide Varianten auch mal untereinander. Die Zwischenüberschriften sind nicht zurückgekehrt und so ragen auch weiter ohne Sinn und Verstand irgendwo Zitatkästen in mehre Spalten hinein.

Grafisches Konzept: Mehr Raum für Emotionen
So hatte man es angekündigt und letzte Ausgabe bezog sich meine Kritik vor allem darauf, dass Bilder nicht wirken können, wenn mittendrin die Bildunterschriften platziert sind. Wie bereits erwähnt, hat man sich diesem Punkt teilweise angenommen, dafür hat man den Raum für Emotionen teilweise wieder vergessen und es greift eine neue Einschränkung. Die Vorschau zu Diablo 3 besteht nur aus Kästen, in denen die Neuerungen übersichtlich vorgestellt werden. Völlig in Ordnung die Seiten so aufzubauen. Das Problem ist nur, es gibt sehr viel vorzustellen, aber nun noch fünf Seiten Platz. Mehr Platz gibt’s scheinbar nicht mehr für ein Spiel, da fünf Seiten für Topspiele eine Menge Raum seien und die Menge der Seiten nichts über die Qualität der Informationen aussage (laut Chefredakteur Michael Trier in den Leserbriefen, Seite 104).
Informationen können auch visuell sein und müssen nicht in Textform vorliegen. Die Bilder des Diablo 3-Artikels sind durch den Platzmangel derart klein, dass sich ihr Format im Bereich mal minimal unter einer Briefmarke, mal minimal darüber bewegt – die Heldenklassen als Klasse an sich und in Aktion sind kaum zu erkennen. Gerade bei düsteren Titeln enden kleine Bilder häufig in einer Matschpampe, wenn nur eine Standardpapierqualität für den Druck verwendet wird.

Verschwundene Rubriken
In einem Leserbrief mit dem Titel „völlig daneben“ kritisiert der Verfasser neben dem Relaunch im allgemeinen, dass Rubriken wie Patch-Test, Budgetspiele und die Tipps-Seiten gestrichen wurden. Michael Trier antwortet hierauf, dass sich die Lesergewohnheiten eben verändert hätten und Tipps- und Patches fast jeder übers Internet beziehen würde. Über die Zeit würden Rubriken eben verschwinden bzw. nach online verschoben werden oder neue Hinzukommen, wie die Hall of Fame oder die Freispielrubrik.

Letztere behandelt im übrigen nur online beziehbare Inhalte… Dass Tipps- bzw. Lösungen und Lösungshilfen nicht mehr interessant sind für gedruckte Hefte ist quatsch, dann würden sich die Verlage keine Cashcows wie die WoW-Magazine halten oder Tipps- & Tricks-Sonderhefte auf den Markt werfen. Mit der gleichen Begründung, mit der man die Tipps abgeschoben hat, lassen sich im übrigen auch Newsteil und Previews für das Heft überflüssig machen. Und nicht zu vergessen die Tests, von denen es auf GameStar.de inzwischen eh mehr als im Heft gibt.

Mit der Begründung Info/Thema XYZ wird von den Lesern über das Internet bezogen, kann man jedes fast Heft überflüssig machen. Ob das so gewollt sein kann?

Relaunch: GameStar 10/2010 – Die ganze Welt der PC-Spiele wird kleiner

Mittwoch, 25. August 2010. Der Branchendienst Kress frohlockt, dass IDG die GameStar aufmotzt – natürlich gegen den Auflagenschwund. Auch das Medienmagazin dwdl.de veröffentlicht die Pressemitteilung einen Artikel zum Relaunch. Sicher, Veränderungen sind immer von Zeit zu Zeit notwendig und stellenweise auch schmerzhaft. Die Zielstrebigkeit, mit der IDG nach der GamePro nun auch das Flagschiff und den noch Marktführer der PC-Spiele-Magazine, GameStar, gegen die Wand fährt, ist bemerkenswert. Doch der Reihe nach.

 

„Erleben Sie die neue GameStar“ …

und machen Sie sich auf Ihr blaues Wunder gefasst. Bereits das Cover warnt, hier bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Mit dem Relaunch hat die GameStar auch eine neue Hausschrift eingeführt, eine äußerst serifenbetonte und die bringt gleich mehrere Probleme mit sich:
1. Die Schrift beißt sich mit dem Heftlogo.
2. Die Schrift passt auch nicht zur Teasertext-Schrift auf dem Cover.
3. Die Schrift wirkt nur, wenn sie sehr groß ist. Sobald sie auf normale Größe schrumpft, wird’s hässlich. Diesem Problem ist man sich im Heft allerdings bewusst, mit den meisten Headlines könnte man auch Leser erschlagen.

Schon auf Seite 3 bekommt man nicht, was man erwartetet. Anstelle des Editorials findet sich hier nun der DVD-Inhalt. Das ist vor allem in diesem Zusammenhang äußerst sinnvoll, da die DVDs zwischen Umschlag und Seite 3 eingeklebt sind und sich in Papierhüllen befinden, auf denen bereits der komplette DVD-Inhalt abgedruckt ist.

 

„…die GameStar ist zu schwer zu lesen…“

So soll der Tenor vieler Zuschriften gewesen sein. Aus diesem Grund geht man auch bei der GS den Weg, der schon bei den CyPress-Heften OPM2 und PC PowerPlay nicht geklappt hat: Größere Schrift und mehr Zeilenabstand oder zu deutsch: Deutlich weniger Text auf den Seiten. Nur als gut gemeinter Tipp am Rande: Es bringt nichts die Lesbarkeit durch eine größere Schrift verbessern zu wollen, wenn man gefühlt jeden dritten Artikel mit einem schwarzen Hintergrund zukleistert und weiße Schrift draufdruckt. Der Kontrast strengt die Augen weit mehr an, als eine kleinere Schrift.

 

„Bei der GS sehen viele Seiten zu gleich aus“

Richtig. Seit Gründung im August 1997 hatte die GameStar ein Markenzeichen: Eine elegante Optik ohne unnützen Schnickschnack und Spielereien. Dazu gehört eben auch, dass jede einen einheitlichen Aufbau hat und bunte Hintergründe oder Abweichungen von der Norm die Ausnahme, nicht die Regel sind. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal und hoher Kontinuität zog die GameStar im Laufe der Zeit an Computecs PC Games vorbei, die im Laufe der Zeit immer bunter und kastiger wurde. Und jetzt, 13 Jahre später als Marktführer stellt man fest: Och ne, das gefällt dem Leser ja gar nicht.

Das Ziel, dass keine Seite mehr der anderen gleichen soll, hat man immerhin konsequent umgesetzt. So wechselt man in der The Witcher 2-Titelstory von drei- auf zweispaltigen Text und wieder zurück. Unterschiedlich breite Spalten und hässlicher Flattersatz tragen bekanntlich seit jeher zur besseren Lesbarkeit bei. Zwischenüberschriften sind zur Führung des Auges auch völlig überwertet, aus diesem Grund gibt es jetzt nur noch leere Zeilen zur Textgliederung oder eingeschobene Textzitate, die auch ab und an in die zweite Textspalte hineinragen.

 

„Die ganze Welt der PC-Spiele“

So lautet der Slogan der GameStar. Bedenklich ist allerdings die Geschwindigkeit, mit der die ganze Welt der PC-Spiele schrumpft. Bei der neuen GameStar soll jedes Spiel mindestens zwei Seiten bekommen, nicht weniger – die PC PowerPlay grüßt an dieser Stelle recht freundlich aus dem Grab. Der eigentlich Witz kommt noch: Was heute mindestens zwei, eher mehr Seiten braucht, hat letzte Ausgabe noch auf eine Seite gepasst. Bilder brauchen Platz zum Atmen. Dann sollte man ihnen diesen auch geben und nicht vier große Bilder auf einer Seite übereinander Kästeln, sodass sie sich alle überschneiden und verdecken und letztlich doch ihre Wirkung verfehlen. BildUNTERschriften gehören, wie der Name schon sagt, unters Bild, nicht irgendwo darein. Ich will das Bild sehen, nicht einen schwarzen Textkasten. Zurück zum Thema mit den zwei Seiten-Minimumgröße für ein Spiel: Konsequent durchgezogen bedeutet das entweder einen hohen Platzbedarf oder weniger Spiele im Heft. Selbstverständlich hat man sich für letzteres entschieden. Das ist nur richtig, das Geburtstagsheft hat mit 93 redaktionellen Seiten den niedrigsten Wert, den je ein GameStar-Heft hatte und schlägt den Rekord aus der letzten Ausgabe noch mal um eine Seite. Weniger Spiele im Heft bedeutet auch mehr Platz fürs Wesentliche, zum Beispiel Platz für zwei Seiten Teamvorstellung. Wie auch schon bei der GamePro entfalten die neuen Schwarz-Weiß-Fotos der Redakteure auf dem leicht gräulichem Papier ihre volle Wirkung… nicht. Platz hat man auch für ganz andere Dinge, beispielsweise für ein Lauftextinitial, das sich über sechs Zeilen erstreckt oder einen neuen Wertungskasten, der entfernt an ein Fieberthermometer erinnert, allerdings 1/3 einer DIN A4-Seite einnimmt.

 

„Die Genre-Struktur ist Geschichte“

denn es gäbe zu wenig Neuerscheinungen im Sport und Strategiebereich. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn wie auch das Schwesterheft GamePro selektiert die GameStar noch stärker, was im Testteil landet und was nicht. Wenn der Testteil nur noch acht Spiele umfasst, hat es natürlich keinen Sinn da noch irgendwas nach Genres zu unterteilen. Zu wenig Spiele erscheinen in dies nicht. Wer zumindest ein bisschen mehr von der ganzen Welt der PC-Spiele lesen will, bekommt die Tests auch auf gamestar.de zu lesen. Noch bevor das Heft bei den Abonnenten im Postkasten liegt, mit längeren Texttesten als im Heft abgedruckt und ach ja, mit Spielen, die nicht Heft erwähnt werden. Ganz großes Kino.

 

Neu: Freispielcheck

Browser-Games, Facebookspiele, MMOs, DLC etc. Was bislang geflissentlich ignoriert wurde, bekommt nun eine eigene Rubrik im Heft. Die Gestaltung der Seiten ist allerdings so quietischig bunt, dass jedes englische Spieleheft vor Neid erblassen würde. Der Inhalt könnte ebenfalls aus besagten Heften kommen, die Texte haben einen äußerst geringen Nähr- bzw. Informationswert. Die neue Rubrik im Heft ersetzt auf DVD übrigens den äußerst beliebten Testcheck – damit bleibt auch der Datenträger vom Relaunchwahn und Inhaltskürzungen nicht verschont.

 

Quo vadis GameStar?

Hatten die bisherigen Redesigns und Relaunches der GameStar nur das Ziel das Heft sanft an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen, ist man nun einen gänzlich anderen Weg gegangen. Was auch immer jetzt vor mir liegt ist mit Sicherheit eines nicht: Eine GameStar. Zugegeben, ich hätte es mir jetzt auch viel einfacher machen können als diesen langen Verriss zu schreiben, ein Satz hätte genügt: „Ich bin nicht mehr die anvisierte Zielgruppe“ – angesichts der Tatsache, dass ich seit Ausgabe 03/2003 als Leser dabei bin dank Ebay auch im Besitz aller Ausgaben davor bin, erschien mir das aber nicht angemessen. Umso größer ist mein Bedauern nun sagen zu müssen, sorry Jungs, ihr könnt mein Informationsbedürfnis nicht mehr decken. Die Änderungen am Heft sind meiner Meinung nach so drastisch und so radikal in die falsche Richtung gegangen, dass ich es auch nicht mehr für ausgeschlossen halte, dass die PC Games an der GameStar schon in Kürze vorbeiziehen könnte. Ob das gewollt sein kann?

Angesehen: GamePro 06/2010 – Die Relaunchausgabe

Mittwoch, 5. Mai 2010. Stichtag für die Relaunchausgabe der GamePro. IDG hat ihr Multiplattformheft inhaltlich, wie optisch grundlegend überarbeitet und bereits im Vorfeld freundlich Pressemitteilungen an diverse Mediendienste verschickt. Versprochen wurde allerhand: neues Wertungssystem, ein moderner Heftlook, mehr Meinungen und Hintergründe. Versprechen kann man Vieles, nicht halten ebenso.

Beginnen wir zunächst mit ein paar positiven Dingen: Das Cover bietet nun endlich mehr Platz fürs Titelmotiv und das Wertungssystem, bei dem die Einzelwertungen mehr oder minder kunstvoll zu einer Gesamtwertung zusammenaddiert wurden, ist Geschichte. Es gibt wieder klassisch Grafik und Sound im 10er System und eine Spielspaß-Note in Prozent. Damit sind wir auch schon am Ende angekommen. Halt, nicht ganz – denn schließlich gibt es auch Negatives zu berichten.

Bereits beim Blick ins Editorial fallen zweierlei Dinge auf: 1. Es gibt eine neue, viel größere Schrift und 2. „Layout entschlacken“ heißt vor allem eines, Farbe raus.

War schon beim letzten, wenig überzeugenden, Relaunch nicht ganz klar, warum die Comic-Avatare der Redakteure noch erhalten blieben, stellt sich die Frage jetzt erneut – nur viel drastischer. Denn übrig geblieben sind nicht einmal mehr die Symbole für die einzelnen Konsolen. Die Verwendung der Comic-Bildchen hätte man sich also schenken können, die passenden Schwarz-Weiß-Fotos sind direkt daneben bereits abgedruckt. Ebenfalls schenken können hätte man sich die Neugestaltung der Avatare, denn wirklich ähnlich sehen sie ihren echten Vorbildern nicht mehr. Henry Ernst sieht aus wie der liebe Onkel von Nebenan, Kai Schmidt wie ein Schwerverbrecher und Thomas Wittulski wie eine finster dreinblickende Papst-Benedikt-Karikatur ohne graue Haare.

Von einem Extrem ins Nächste

Bislang setzte man auf ein vierspaltiges Layout mit winzigkleiner Schrift. Davon hat man nun abstand genommen und schreibt wieder in einer Größe, die auch ältere Menschen problemlos lesen können. Vor allem die Headlines nehmen jetzt Ausmaße an, die ein großes, deutsches Boulevardblatt ebenfalls gerne für ihre Titelschlagzeilen verwendet. Die Spaltenzahl wurde halbiert, d. h. es gibt von nun an nur noch zwei. Auf den ersten Blick wirkt das sehr ungewohnt, auf den zweiten Blick führt das zu großen Textklumpen und sehr großen Screenshots mit sehr unregelmäßiger Breite.

(Ex-)Mitbewerber lassen grüßen

Ein Häppchen M! Games: Der Magazin-Teil der GamePro wird nun, genauso wie M! Extended, im ganzen Heft verstreut
Eine Portion PC PowerPlay: Jedes getestete Spiel bekommt mindestens zwei Seiten
Eine Scheibe neXt Level: Es kommt nicht mehr (fast) jedes Spiel in den Testteil, sondern nur noch ausgewählte Titel. Der Testteil der neuen GamePro umfasst also gerade einmal klägliche zehn Spiele, darunter einen Handheldtest

Dass man bei einem reinen Singleplattform-Magazin auf Kurztests oder Einseiter verzichtet, okay. Hat bei der PC PowerPlay auch geklappt, vor allem wenn man bedenkt, dass die ganzen Moorhuhn-Neuauflagen und Klone eh keinen Heftkäufer interessieren. Bei einem Multiformatheft wird das schon schwieriger, denn selbst wenn man den gröbsten Schrott (das Casual-Zeug für Wii) weglässt, erscheinen noch viele überdurchschnittliche Titel (GamePro-Maßstab 70% und drüber). Next Level hat dieses Problem vor mehr als zehn Jahren mit Kurztests gelöst. Da diese Option für die GamePro wegfällt, fallen die Titel einfach komplett aus dem Heft heraus. Denn wirklich viele Spiele kann man bei diesem Konzept nicht unterbringen, zumindest dann nicht, wenn der Umfang selbst zum Relaunch bei 100 Seiten verbleibt.

Dem neuerlichen Platzproblem sind in dies auch gleich die Leserbriefe zu Opfer gefallen. Laut Aussagen im Forum läge dies natürlich daran, dass es nicht genug brauchbare Zuschriften gegeben hätte. Ah ja, nach über 90 Ausgaben gibt es auf einmal also nicht mehr genügend Leserbriefe, deren Abdruck sich lohnt, soso.

Den Absturz der Relaunchausgabe verhindern können die neue Serie „GamePro Elements“ mit dem Schwerpunkt „Der Schuss“ in Videospielen und der nette Retroteil mit Tactics Ogre zwar nicht, aber immerhin verhindern sie einen Totalausfall.

Dass man an der ein oder anderen Stelle daneben gegriffen hat, wurde im Heftforum übrigens auch schon festgestellt, Wertungskasten samt „Awards“, die als solche derzeit nicht mehr erkennbar sind, sollen schon überarbeitet werden. Es bleibt also kein „Setzen, 6“ zurück, ein „Versetzung gefährdet“ ist es dennoch.

P.S.
Sorry Kosta und Jakob, es tut mir in der Seele weh dies geschrieben zu haben.