Spielehefte am Kiosk 2010 – Eine Sichtung des Bestandes – Teil 1
Später als gewöhnlich, aber immer noch im Mai – die jährliche Bestandsaufnahme der Spielehefte in Deutschland. Kurz und knapp könnt ihr im nun im ersten Teil des Eintrags lesen, welche Konsolenmagazine es hierzulande am Kiosk gibt, was sie kosten und wie es um ihre Ausstattung bestellt ist.
Multiformat:
Computer Bild Spiele

Chefredakteur: Hans-Martin Burr
Verlag: Axel Springer Verlags AG
Preis: € 4,99
Ausstattung: 136 Seiten, 2x DVD-9
Erscheinungsweise: monatlich
Erstausgabe: 12/1999
Ausgaben derzeit: #127
Vollversionslieferant und treuer Begleiter für unbedarfte Spieler. Mittlerweile auch optisch einigermaßen zu gebrauchen.
ConsolPlus

Chefredakteur: Alexander Amon
Verlag: consol.Media Verlags GmbH / Panini Verlag
Preis: € 3,50
Ausstattung: 116 Seiten
Erscheinungsweise: 10x jährlich
Erstausgabe: 01/2008
Ausgaben derzeit: #15
ConsolPlus heißt eigentlich consol.AT und erscheint bereits seit 2000 in Österreich. Panini bringt seit September 2008 mehr oder weniger das Heft 1:1 auch nach Deutschland. Das Heft fällt vor allem durch seine bunte Optik und den großen Retroteil auf. Dank mittlerweile zehn Ausgaben pro Jahr ist es auch um die Aktualität gut bestellt. ConsolPlus fühlt sich noch an, wie eines der Multiformat-Magazine aus der guten, alten Zeit™.
Elektrospieler

Chefredakteur: Robert Banner
Verlag: CSW-Verlag
Preis: € 6,95
Ausstattung: 92 Seiten, Artbook-Optik
Erscheinungsweise: Vierteljährlich
Erstausgabe: 01/2009
Ausgaben derzeit: #3
Robert Bannert darf sich frei austoben und erschafft mit Elektrospieler Print ein außergewöhnliches Produkt. Im Heft sollen sich die Reportagen abspielen, im PDF die Tests. Beides klappt nicht so recht. Vom PDF Elektrospieler-Express sind erst zwei Ausgaben erschienen, im Heft befinden sich auch ein paar ausgewählte Tests von vor allem eines: Viele Artworks, sodass das Heft eher ein Artbook mit Videospielschwerpunkt ist als ein Spielemagazin mit hübschen Artworks.
Game Master

Chefredakteur: Jo Löffler
Verlag: Panini Verlag
Preis: € 2,99
Ausstattung: 52 Seiten, Spielzeug-Extra
Erscheinungsweise: 12x jährlich
Erstausgabe: 01/2004
Ausgaben derzeit: #51
Game Master testet Animegames und Rollenspiele und hat eine Vorliebe für Pokémon-Games. Die Zielgruppe des Heftes ist recht jung, wird aber ernst genommen und gut bedient. Im Gegensatz zu manch anderem Kinderspieleheft der Vergangenheit wirkt Game Master nicht einfach dahingerotzt.
GamePro

Chefredakteur: Markus Schwerdtel
Verlag: IDG Entertainment Media GmbH
Preis: € 5,50
Ausstattung: 100 Seiten, DVD-10
Erscheinungsweise: monatlich
Erstausgabe: 10/2002
Ausgaben derzeit: #92
IDG hat seinem Konsolenheft aktuell einem drastischen Relaunch unterzogen. Dazu gehörte neben dem Rausschmiss des Additionswertungssystems auch die Verschiebung von inhaltlichen Schwerpunkten. GamePro hat zwar nie den Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, jetzt werden aber nur noch eine Hand voll Titel getestet, der Rest sind Previews und Specials. Der Weg führt Weg vom klassischen Test, aber ob das die Auflagenprobleme löst? Wir werden es sicher bald erfahren.
Games Aktuell

Chefredakteur: Thomas Szedlak
Verlag: Computec Media AG
Preis: € 3,90
Ausstattung: 100 Seiten, DVD-10
Erscheinungsweise: monatlich
Erstausgabe: 06+07/2003
Ausgaben derzeit: #83
Solides Multiformat-Magazin mit ansprechender Optik, immer mal wieder interessanten Specials und einem Hauch von PC. Die Konsolenherkunft lässt sich einfach nicht verleugnen.
Games and More

Chefredakteur: Thomas Szedlak
Verlag: Computec Media AG
Preis: € 1,50
Ausstattung: 68 Seiten
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Erstausgabe: 11/2008
Ausgaben derzeit: #15
Digital Entertainment für alle. Naja, eher für immer weniger, denn die Auflage kennt nur die rapide Richtung nach unten. Ein Dumpingpreisheft, das auch noch stellenweise mit schlechter Anzeigenauslastung zu kämpfen hat, hat’s nicht leicht und kommt deswegen nur noch zur Hochsaison monatlich. Falls man im am Bahnhof mal überbrücken möchte, ist’s ganz nett. Wer aber nur einen Euro mehr ausgibt, bekommt mit der Magazin-Variante der Games Aktuell bereits ein vollwertiges Spieleheft.
GEE

Chefredakteur: Heiko Gogolin
Verlag: GEE Media & Marketing GmbH
Preis: € 4,50
Ausstattung: 100 Seiten
Erscheinungsweise: 8x jährlich
Erstausgabe: 01/2003
Ausgaben derzeit: #53
GEE liebt Spiele. Und GEE ist kein typisches Spieleheft. Neben Reportagen gehören auch Gadgets, Interviews und Themen rund um Spielekultur zum Inhalt. Definitiv nicht für jedermann.
M! Games

Chefredakteur: Oliver Schultes
Verlag: Cybermedia Verlag GmbH
Preis: € 4,50
Ausstattung: 100 Seiten, Hochglanzoptik
Erscheinungsweise: monatlich
Erstausgabe: 11/1993
Ausgaben derzeit: #201
Braucht man darüber noch viele Worte zu verlieren? M! Games (ehemals Man!ac) ist vor kurzem 200 geworden und der letzte Vertreter klassischer Multiformat-Hefte, die es noch am Kiosk gibt. Wie es um das Heft steht, lässt sich von außen leider nicht beurteilen, Cybermedia gibt sich leider recht zugeknöpft bzgl. der Verkaufszahlen.
Multimania

Chefredakteur: Mikis Wesensbitter
Verlag: Devil Inc. Presseverlag
Preis: € 4,50
Ausstattung: 100 Seiten
Erscheinungsweise: 6x jährlich
Erstausgabe: 03/2005
Ausgaben derzeit: #28
Multimania hat eine recht bewegte Geschichte hinter sind, die mittlerweile schon fünf Jahre geht. Multimania berichtet über Spiele, Filme, Hörspiele und Bücher im Stil einer Musikzeitschrift – das Schwesterheft Legacy lässt sich eben nicht verleugnen. Problematisch ist die Sache mit dem Erscheinungstermin – Multimania kommt eigentlich nie zum angekündigten Termin in den Handel.
Nintendo:
N-Zone

Redaktionsleiter: Thorsten Küchler
Verlag: Computec Media AG
Preis: € 3,50
Ausstattung: 100 Seiten
Erscheinungsweise: monatlich
Erstausgabe: 09/1997
Ausgaben derzeit: #158
Das dienstälteste Nintendo-Magazin liefert inzwischen wieder solide Qualität. Computec konzentriert sich wieder aufs wesentliche und spart sich Späße wie Premium-Ausgaben. Das Heft steht und fällt mit der mehr oder mindergroßen Ausbeute an Nicht-Casual-Games für Wii.
Wii Magazin

Redaktionsdirektor: Martin Mirbach
Verlag: LiveEmotion GmbH
Preis: € 3,50
Ausstattung: 124 Seiten inkl. Doppelposter
Erscheinungsweise: 7x jährlich
Erstausgabe: 01/2006
Ausgaben derzeit: #24
Qualität setzt sich langfristig eben doch durch. Das Wii-Magazin nutzte die Schwächephase der N-Zone und zog mit den Verkaufszahlen am ewigen Rivalen vorbei. LiveEmotion bemüht sich den kompletten Wii-Markt im Heft unterzubringen, d. h. auch Totalausfälle werden humorvoll verrissen.
PlayStation 3:
play3

Redaktionsleiter: Thorsten Küchler
Verlag: Computec Media
Preis: € 5,50
Ausstattung: 100 Seiten, DVD-10
Erscheinungsweise: monatlich
Erstausgabe: 05/2007
Ausgaben derzeit: #38
Was lange währt wird endlich gut: Mitbewerber und die Führung durch Ex-CyPressler Thorsten Küchler haben dem Heft zu neuem Glanz verholfen. Play3 ist Marktführer der PlayStation-Magazine, nicht nur optisch und inhaltlich – inzwischen zurecht.
PlayBlu

Redaktionsdirektor: Martin Mirbach
Verlag: LiveEmotion GmbH
Preis: € 3,50
Ausstattung: 124 Seiten inkl. Doppelposter
Erscheinungsweise: 6x jährlich
Erstausgabe: 01/2009
Ausgaben derzeit: #10
PlayBlu überzeugt zwar vom Schreibstil, hat jedoch mit starken optischen Problemen und der viel zu seltenen Erscheinungsweise zu kämpfen. Als Marktübersicht ist das Heft top, als aktueller Kaufberater eher weniger.
PS3M

Chefredakteur: Richard Löwenstein
Verlag: Airmotion Games GmbH
Preis: € 3,90
Ausstattung: 84 Seiten
Erscheinungsweise: monatlich
Erstausgabe: 11/2008
Ausgaben derzeit: #20
Fester Vorsatz für diese Übersicht: Sachlich bleiben. Bei keinem anderen Heft fällt mir dies so schwer, wie bei PS3M: Selbst das Editorial vom Xbox360-Schwesterheft zu recyceln ist einfach indiskutabel. Synergieeffekte nutzen schön und gut, irgendwo muss man aber auch den Schlussstrich ziehen. Welche Geige das PS3M im Gegensatz zu 360 Live spielt, lässt sich auch wunderbar an der Redaktionsbeteiligung im Forum ablesen.
Xbox 360:
360 Live

Chefredakteur: Richard Löwenstein
Verlag: Airmotion Games GmbH
Preis: € 3,60
Ausstattung: 84 Seiten
Erscheinungsweise: monatlich
Erstausgabe: 01/2006
Ausgaben derzeit: #50
Das Heft fällt vor allem durch sein übergroßes Format (230x297mm) und seine großen Bilder auf. Richard Löwensteins Kolumnen wissen oft zu gefallen. Umgang mit den Lesern und die Vorabtest-Politik sind zumindest diskussionswürdig.
X3

Redaktionsleiter: Thorsten Küchler
Verlag: Computec Media
Preis: € 4,99
Ausstattung: 100 Seiten
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Erstausgabe: 09/2008
Ausgaben derzeit: #14
Computec kann vom Premium-Preis-Segment bei den Xbox-Heften einfach nicht lassen. Nach dem sich eine monatlich X3 für € 3,60 weder bei Lesern noch bei Anzeigenkunden durchsetzen konnte, kam die Zeitschrift nun als zweimonatlicher Premium-Titel zurück. Inhaltlich konzentriert man sich auf Test-Highlights und lange Vorschaustrecken. Die aktuelle Ausgabe besteht aus einer Hand voll Tests, ansonsten gibt es nur Previews.
Xbox Games

Redaktionsdirektor: Martin Mirbach
Verlag: LiveEmotion GmbH
Preis: € 3,50
Ausstattung: 124 Seiten inkl. Doppelposter
Erscheinungsweise: 7x jährlich
Erstausgabe: 03/2003
Ausgaben derzeit: #49
Das Xbox-Magazin von LiveEmotion. Beste Ausstattung, bester Preis, bester Schreibstil. Was will man mehr? Endlich ein ansehnliches Layout…

Der große Relaunch. Ganze zehn Jahre hat es gedauert, die CBS sieht nun nicht mehr nach einem Computer Bild-Klon, sondern tatsächlich nach einem Spieleheft aus, auch wenn die riesigen Tabellen natürlich geblieben sind. Die Aufmachung an sich ist wirklich richtig gelungen, hat jedoch mit kleineren Problemen zu kämpfen. Durch das immer noch übergroße Heftformat müssen Artworks des Öfteren auf eine Größe aufgeblasen werden, die die Bildauflösung einfach nicht hergibt, das führt zu Unschärfe und pixeligen Kanten. Das Tiefdruckverfahren, mit dem die CBS aufs Papier kommt, leistet hier auch noch seinen Teil dazu bei, dass Bilder immer ein wenig matschig und unscharf wirken. Bei einem Preis von mittlerweile € 4,99 für die Gold-Version haben ich an die Haptik einfach andere Ansprüche als bei einem Drei-Euro-Ramschtitel.
Wirklich ein schwieriges Unterfangen. Das Heft trägt sehr deutlich die Handschrift von Robert Bannert. Das gibt es heute auch nicht mehr allzu oft, dass man ein Heft aufschlägt und genau weiß, es kann nur von diesem einen Redakteur und von niemandem sonst stammen. Soweit, so wertneutral. Wie im Interview bereits angekündigt, hat Elektrospieler Print einige Reportagen, ein paar kurze Tests, weil’s irgendwie sein muss und viele schöne Artworks. Damit wären wir auch schon wieder beim Thema Robert: Streckenweise wirkt der Elektrospieler so, wie ein Gothic-Magazin und nicht wie ein Spieleheft. Ich befürchte, damit ist das Magazin viel zu speziell, um eine ausreichend große Käuferschaft zu finden. Vom Gegenteil würde ich mich dennoch sehr gerne überzeugen lassen. Ein Highlight aus vergangenen fungeneration Tagen: Auf der letzten Seite befindet sich ein Comic
Hachja, die sogenannten Magbooks. Zeitschriften mit großem Umfang und hohem Preis. € 12,95 lässt sich IDG das gute Stück mit 196 Seiten Umfang und DVD kosten. Der Inhalt zielt nicht ganz auf die GamePro-Leserschaft, denn man hat die „ihr-Anrede“ gegen ein ätzendes Gesieze umgetauscht. Wie bei Copy&Paste üblich, klappt das leider nicht immer und Henry Ernst duzt die Leser zwischendurch auch mal. Ebenso verbleiben nicht mehr gültige Preisangaben in den Texten. Die Optik ist ein leicht abgewandeltes GamePro-Design in weniger bunt. Zudem hat man den monströsen Wertungskasten rausgeschmissen und am Ende einen Kasten mit Pro&Kontra sowie einer Gesamtwertung im Prozentsystem runtergesetzt.
Das Heft macht dort weiter, wo Ausgabe #1 aufgehört hat: Beim Hypen von typischen Mädchenthemen. Nach Hannah-Mania steht nun Twilight auf dem Programm. Inhaltlich hat sich nicht wirklich was getan, soll soweit in Ordnung sein, wenn’s der Zielgruppe gefällt… Die nächste Ausgabe soll erst am 5. Mai kommen. Lustiges Detail am Rande: Der Anzeigenvermarkter hat das Heft bereits von seiner Seite entfernt und eine Meldung zur Hefteinstellung gibt es auch schon – na das sind ja rosige Aussichten.
Es hat sich ausgespielt – auch der zweite Versuch das britische Multiformat-Magazin in Deutschland zu etablieren ist gescheitert. Erfreulich ist zumindest, dass man sich ordentlich verabschiedet und nicht mit den Worten „Die nächste Ausgabe erscheint am…“ verschwindet. So gibt es einige kleine Spielereien, der Slogan „Das unabhängige Mutiformat-Magazin“ wurde durchgestrichen und durch „endgültige“ ersetzt. Auf der letzten Seite gibt es ein kleines „Best of gamesTM“ und man darf sein Wunschdatum für die nächste Ausgabe eintragen. Inhaltlich hat sich in der letzten Ausgabe noch etwas Schönes im Retroteil versteckt: Es findet sich die komplette Final Fantasy-Titelstory der Retro Gamer 69 im Heft.
Satte 11 Monate mussten wir auf eine weitere Ausgabe der Mobile Gamer warten. Anzeigenkrise sei Dank? Die Pause ist jedenfalls so lang gewesen, dass man erstmal ein „neu“ auf den Titel klatschen musste. Apropos Titel: Da prangt leider auch ein neues Logo, das alte mit dem Batteriebalken ist leider Geschichte. Der Inhalt ist gewohnt überragend und zeigt einmal mehr, dass sich auch in schwierigen Zeiten erstklassige Hefte produzieren lassen, bei denen Inhalt, Optik und Preis stimmen. Leider geht es auch hier nicht ohne unerfreuliche Nachrichten, denn weitere Ausgaben der Mobile Gamer sind keineswegs sicher. Für 2010 gibt es erstmal keinen Termin, man überlegt noch zwischen unregelmäßigem Sonderheft (defakto einstellung) und zweimonatlich. Drücken wir ganz Fest die Daumen, kaufen uns unser eigenes Exemplar und hoffen, dass im von der Redaktion angepeilten März ein positives Ereignis am Kiosk liegt. Denn wenn es dieser Tage um ein Spieleheft am Kiosk richtig schade wäre, dann wäre es die Mobile Gamer.
Geschickte Taktik: Erst den Umfang reduzieren, dann das Heft vermeintlich einstellen, es als Sonderausgabe mit dem ursprünglichen Heftumfang wieder erscheinen lassen und dabei noch eine saftige Preiserhöhung von € 3,60 auf € 4,99 vollziehen. Und, es scheint sogar mehr oder minder gut zu klappen. X3 kommt als Zweimonatsmagazin, aber leicht verändertem Konzept wieder.